Der 1. Schritt


Die gewohnte Welt des Helden

Jede Heldenreise beginnt in der normalen Welt des Helden.  

Die normale Welt ist der Startpunkt, und auch der Endpunkt seiner Reise.

Die normale Welt des Helden kann heil sein, oder sie kann kaputt und krank sein; sie kann bunt sein oder grau, langsam oder schnell, künftig oder vergangen – die normale Welt kann im Grunde alles sein. 

Es geht in den ersten Minuten jedes Films nur darum, dem Zuschauer zu zeigen, was normal ist – normal für den Helden.

Der Zuschauer soll sich an diese Welt gewöhnen. 

Die normale Welt steht im klaren Kontrast zu der Welt, die der Held später auf seiner Reise erblicken wird. Doch das weiß er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Der „Hier/Dort“-Kontrast wird bereits am Anfang des Films vorbereitet, indem das „Hier“ gezeigt wird. Man muss wissen, was die Heimat ist, um die Fremde erkennen zu können.

Wenn der Held auf seiner Reise z.B. in die Hölle hinabsteigen muss, dann zeigt man am Anfang am besten natürlich das Paradies, in dem der Held lebt.

Stammt der Held vom Land, wird ihn seine Reise in die große Stadt führen.

Stammt er aus der Alten Welt, so reist er garantiert in die Neue Welt. Stammt der Held vom Mond, so wird er sich bald in einem anderen Teil der Galaxie wieder finden. Hauptsache, der Held kennt sich nicht aus in der Anders-Welt. So lautet die Regel. Es gibt nämlich immer einen Ort, an dem sich der Held nicht auskennt. Niemand kennt sich überall aus.

Wenn der Held ein Fisch ist, der sich normalerweise im Wasser tummelt, so MUSS seine Heldenreise auf dem Land stattfinden – denn dort kennt sich ein Fisch am wenigsten aus.

Ach ja: zur normalen Welt des Helden gehört natürlich auch: der Held. 

Auch er wird in den ersten Szenen jedes Films vorgestellt bzw. in für ihn typischen Situationen gezeigt – idealerweise in seiner normalen Welt. Auch an ihn sollen wir uns möglichst schnell gewöhnen.

Jeder Filmemacher wird alles dran setzen, dass die Zuschauer sich möglichst schnell mit dem Helden identifizieren, damit sie dessen Reise als die eigene erleben können.

Nehmen wir als Beispiel den ersten Film von „Herr der Ringe.“ Dort finden wir uns zunächst im lieblich grünen, rundhügeligen Auenland wieder…

(Am Ende der Trilogie haben wir es mit schroffen, grauschwarzen, fürchterlichen Vulkanfelsen zu tun… )

Als Held wird sofort Frodo herausgepickt, und ab jetzt fiebern alle Zuschauer mit Frodo mit. Stundenlang.  

Frodo ist ein süßer, halbwegs netter, bisweilen ausgelassener kleiner Bengel, der mit seinen Kumpels feiert, schlemmt und ordentlich bechert… aber er hat offenbar einen bizarren Onkel („Bilbo“) und er kennt sogar diesen ellenlangen Zauberer, bekannt unter dem Namen „Gandalf“.

Es ist ganz klar, dass Frodo nicht  sehr lange so nett, ausgelassen und im Kreise seiner Freunde im Auenland verweilen wird.

Es ist sonnenklar, oder?

Wir spüren bereits deutlich, das etwas geschehen wird – obwohl noch nichts passiert ist!

Ein schräger Blick des Zauberers genügt, und alle denken: Hoppla!

Der Mythos der Heldenreise hat bereits angefangen zu wirken: er übt eine unfassbar starke Kraft auf uns Menschen aus.

Er bannt uns! 

Und dann geht’s los.

Drück auf PLAY wann immer du bereit dazu bist.

Was ich hier gerade im Video „leichte Frustration“ nannte, war tatsächlich der Rest eines jahrelang gespürten, dumpfen Gefühls, das ich schon ewig mit mir rumschleppte 

  • nämlich, dass „etwas fehlte“ in meinem Leben
  • und dass da etwas zur Verwirklichung drängte …
  • etwas das ich nur aufblitzen sah – in Tagträumen oder nächtlichen Phantasien
  • und das ich aber nicht klar benennen konnte

Ehrlich gesagt: Es handelte sich bei der „leichten Frustration“ um leise Verzweiflung. 

Viele Menschen gehen an ihr zugrunde, oder betäuben sie mit Alkohol oder einer anderen Sucht. 

Diese Menschen treten ihre eigene Heldenreise nicht an…

… sondern sterben an ihrer Frustration.

Ich bevorzugte, meine Frustration „anzugehen.“ 

Allein was fehlte, war ein Ruf, der mich aufrütteln würde.

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