Der 10. Schritt


Der äußerst schwierige Weg zurück


 

Der Rückflug selber war toll. 

Seelenruhig war der, schwerelos. Ich habe geschlafen und dabei gegrinst…

Der Rückflug hatte aber nichts mit meiner wahren Rückkehr zu tun – es war eher der Höhepunkt meines Flows… als ich das Schwert, das ich ergriffen hatte, siegreich in die Luft reckte.

Die eigentliche Rückkehr in meine normale Welt gestaltete sich viel länger und schwieriger, als ein Transatlantikflug je sein könnte…

Baby, die Rückkehr würde 7 Wochen dauern!

7 Wochen würden vergehen, bis ich meine Videoserie am 31. Oktober 2012, um 22 Uhr nachts, veröffentliche.

Während dieser gesamten Zeit bin ich kleinen Verfolgungen ausgesetzt, und habe einen Kampf gegen die Uhr („Deadline“) auszufechten. 

Genau genommen sind es sogar ZWEI Kämpfe. 

Ich werde es erklären… gleich.

 

Die Rückkehr ist keine Rückkehr

Hast Du dich jemals gefragt, warum Hollywood nicht die Finger von Verfolgungsjagden lassen kann?

Im letzten Viertel praktisch jeden Films kommt es zu einer Verfolgungsjagd.

Ist das nur eine schlechte Angewohnheit von Filmemachern? Oder einfach nur eine dämliche Idee von Hollywood-Regisseuren, die einfach nur möglichst viele Autos kaputtfahren wollen. 

Natürlich nicht. 

Die „Verfolgungsjagd“ ist das Symbol schlechthin, wenn es darum geht, das Wesen der 10. Etappe der Heldenreise bildlich darzustellen.

Rekapitulieren wir:

Der Held hatte das Schwert ergriffen, und war nun erstmals in seinem (neuen) Element – wobei er vorher gar noch wusste, dass es dieses Element gibt!

Alles geht dem endgültig entschlossenen Helden nun leichter von der Hand, und die Anders-Welt fühlt sich gar nicht mehr so anders an.

Der Held ist also gewillt, die Sache zu Ende zu bringen; es wird Zeit zur Rückkehr in die normale Welt.

Oft ist es jedoch so, dass der Rückweg versperrt ist. 

Schlimmer noch: es kommt vor, dass der Held gar nicht mehr zurück will in seine „alte“ Welt. Die Anders-Welt gefällt ihm zu gut, und die Aussicht, dasselbe dröge alte Leben wieder aufzunehmen, erscheint ihm grausam grau…

In aller Regel jedoch will der Held jetzt aber einfach nur zurück nach Hause, und in aller Regel ist der Rückweg nicht versperrt – UND DOCH kommt es zu Problemen.

Denn die Rache-Engel des Schicksals haben sich an seine Fersen geheftet – in welcher Form auch immer. Es können die inneren Geister sein, die man besiegt zu haben glaubte, oder es können reale Schurken sein, oder gar der Schatten selbst, der die Verfolgung des Helden aufnimmt. 

Und was bietet sich besser an als ein Auto-Verfolgungsjagd? Diese ist im wahrsten Sinne des Wortes lebensgefährlich, lässt sich toll filmen, und bringt wieder Schwung in den Film, nachdem der Held gerade eine Weile durchgeatmet hat. 

Es müssen ja keine Autos sein. Auch Fahrräder werden gejagt (siehe „E.T.“), Boote („Der weiße Hai“), Raumschiffe („Star Wars“), U-Bahnen („Speed“), schwere Trucks („Terminator 2“), schwebende Skateboards („Zurück in die Zukunft“) und so weiter.

Der Phantasie waren noch nie Grenzen gesetzt.

Brauchst du noch weitere Beispiele? Es gibt so viele Verfolgungsjagden in Sagen und Filmen, dass es schon etwas lächerlich wäre, hier eine große Aufzählung beginnen zu wollen… 

Und wenn ich jetzt noch die B-Variante der Verfolgungsjagd hinzunehme, nämlich den „Kampf gegen die ablaufende Zeit“ (vom Prinzip her nämlich genau das gleiche!), dann wird die Aufzählung noch um einen großen Batzen länger…

Hier vier spontane Beispiele für den „Kampf gegen die ablaufende Zeit“

– Die Titanic geht gleich unter… tick tick tick. 

– Die Welt geht gleich unter („2012“)… tick tick tick

– Schon mal eine Bombe im Film gesehen, wo es einen Countdown gibt? Tick tick tick.

– Wer ist zuerst in der Rettungskapsel – Das Alien-Ding oder doch Commander Ripley?

Der Held rennt – so oder so. 

In „Collateral“ rennt Jamie Foxx um die Wette mit Tom Cruise. Harrison Ford rennt quasi in jedem Film am Ende. Forrest Gump rennt auch. 

Und Edward Norton in „Fight Club“ rennt sich in dieser Phase seiner Film-Heldenreise den Arsch ab, um zu verhindern, dass die Wolkenkratzer (von seinem Schatten „Tyler Durden“) gesprengt werden… 

Mehr brauchst du nicht, um zu verstehen, worum es in der 10. Etappe der Heldenreise geht.

Die „Rückkehr“ – also der Versuch die Normalität wieder herzustellen – ist ein eigenes, neues Abenteuer, das der Held zu absolvieren hat.

Neue Zweifel werden auftauchen, völlig neue Ängste. 

Tauchen wir hinein.

Etappe 10 – Der schwierige Weg zurück

Werden die Schwierigkeiten denn nie enden?

Rachedurstige Mächte verfolgen den Helden auf seinem Weg zurück.

Ich gestehe, es passiert nicht oft im Leben, dass man sich vollständig fühlt. 

Nicht jeden Tag bekommt man den Eindruck, dass man gerade wirklich erwachsen geworden ist. 

Und wie oft im Leben fühlt man sich schon heil, mit der Welt und dem Leben versöhnt, stolz auf das Vollbrachte, mächtig, sexy, stark, wie ein richtiger Mann…

 … kurz: Wie oft fühlt man sich zu 100% wie ein Held?

Natürlich: Nicht sehr oft.

Und deshalb war der Tag meines Rückflugs ein so schöner Tag. 

Ich kehrte mit vielen neuen Erkenntnisse in meine Heimat zurück, und hatte ein völlig neues Selbstverständnis von mir.

 

lastdayklo

Ein glücklicher, gebräunter, ausgelaugter, friedlicher, erwachsener, wehmütiger Tim an seinem letzten Tag in Amerika. (Foto mit MacBook gemacht, daher spiegelverkehrt)

 

Es war einer dieser Tage, die das eigene Leben, und das ganze Leben an sich groß machen. Das erste mal in meinem Leben fühlte ich mich erwachsen.

Ich hatte 40 Stunden Film-Material im Gepäck (dreifach gesichert auf Sticks, Laptop und externer Festplatte).

Material von dem ich instinktiv wusste, dass man etwas daraus machen kann.

Auch ohne jemandem nur eine einzige Sekunde davon gezeigt zu haben war ich überzeugt, dass ich gute Arbeit geleistet hatte, und etwas ungeheuerlich Einzigartiges gefilmt hatte.

Ich war bereit für die Zukunft. 

Weil ich gerade von „40 Stunden“ Film rede —

Hier eine Faustregel. Sie lautet „Die 1-10-100-Regel.“

Um 1 Minute an vorzeigbaren, fertigen Film herzustellen, braucht man 10 mal soviel „rohes“ Ausgangsmaterial (in diesem Fall 10 Minuten Filmmaterial).

Um diese 10 Minuten Rohmaterial herzustellen (zu „filmen“) braucht es 100 Minuten Produktionszeit – wenn man die gesamte Vorbereitung mit hinzuzählt. 

Das gilt „am Set“ genauso wie „on the road“. 

Um 40 Stunden Material auf den Stick zu bekommen, musste ich 400 Stunden reine Vorarbeit (und Live-Arbeit) leisten. Und es würden ca. 4 Stunden Goldrausch dabei herauskommen.

Jeder der sich die Arbeit machte, meine Episoden alle anzugucken, würde feststellen, dass er 4 Stunden Goldrausch-Zeit mit mir verbracht hat!

Wenn du also einen guten 5-Minuten-Clip für deine Webseite haben willst, dann plane schon mal 500 Minuten (ca. 8 Stunden) Produktionszeit (Vor-Arbeit, Arbeit, Nach-Arbeit) dafür ein.

Das ist die Realität. Deswegen sind Filme so teuer. 

Deswegen kann man Videos teurer verkaufen als Texte.

„1-10-100“

Bitte diese Regel verinnerlichen!

So, und nun noch mehr Realität: Der Tag war zwar mein Rückflugs-Tag, aber er hatte noch nichts mit der „schwierigen Rückkehr des Helden in die normale Welt“ zu tun.

Denn so schön mein Rohmaterial auch sein mochte: niemand auf der Welt konnte mir garantieren, dass ich auch nur eine Minute Film davon veröffentlichen würde.

  

Als erstes: Sitzmuskeln stählen

Hast du schon mal 40 Stunden Videomaterial gesichtet?

Wie würdest du dich fühlen mit einem Berg von Filmrollen, von denen du nicht weißt was genau wo drauf ist?

Genau: genervt. 

Du würdest den ganzen Kram nämlich angucken müssen! Und zwar nicht nur einmal. 

Dafür bräuchte man zunächst mal die richtige Technik.

Die Hardware war ja da: großer iMac, HD Kamera, Kabel, Sticks. Alles da.

Nur die Software fehlte: Ich besorgte mir die Videoschnitt-Software Final Cut Pro X für meinen großen Apple-Computer.

Diese kostete ca. 150 Euro und war schnell installiert. Eine phantastische Investition.

Damit konnte ich Videos direkt von meiner Kamera in den Computer saugen und in ein gutes Format umwandeln, so dass ich sofort damit arbeiten konnte.

Also verbrachte ich einen halben Tag damit, Stick nach Stick in meine Kamera zu stecken und Ladebalken anzustarren.

Irgendwann waren dann die 200 Gigabyte oder so auf meiner Festplatte. Die Auflösung der Bilder war 1200 mal 700 Pixel, das hatte ich an der Kamera so eingestellt.

Höher brauchte ich nicht zu gehen, denn es sollten ja sowieso datenschlanke Webvideos draus werden.

Die fertigen Videos würden dann für das Internet am Ende alle noch einmal komprimiert werden müssen…

Doch eins nach dem anderen.

Hardware? Steht. 

Software? Steht.

Rohmaterial? Ist importiert.

Okay. Was nun?

Wie geht man so ein Schnittprojekt überhaupt an?

Meine Antwort darauf ist, dass es ganz auf den Filmemacher ankommt. Wie man einen Film im Endeffekt schneidet, kann man niemandem erklären.

Wenn es ein Drehbuch gibt, dann ordnet man die Szenen gemäß Drehbuch an, wählt jeweils die besten aus, und fügt sie sauber aneinander.

Wenn es kein Drehbuch gibt – wie in meinen Fall, oder bei einem Dokumentationsfilm – dann verschafft mich zunächst einen groben Überblick, löscht dann alles gnadenlos weg was man nicht braucht, und sammelt einzelne Szenen bei denen man spürt, dass man sie unbedingt benutzen will.

Das Problem, das ich beim Drehen hatte – nämlich die nicht vorhandene Struktur – tauchte natürlich beim Schneiden wieder auf.

Wie arrangiert man Material?

  • Macht man einen großen langen Film?
  • Oder macht mein 30 kleine 3-Minuten-Filmchen ohne Zusammenhang?
  • Oder macht man eine Serie draus?

Ich entschied mich für eine Serie .

Für einen großen Film fehlte mir eine Story, ein Drama. Was ich hatte waren… Monologe.

Auch bin ich ein US-Serien-Fan (wer nicht?): Mad Men. Dexter. Breaking Bad. Homeland. House of Cards.

Früher mal: Star Trek (The Next Generation).

 

Quizfrage

Was zeichnet diese Serien aus? Was zeichnet alle Serien aus?

  • 1. Sie bieten einen hohen Wiedererkennungswert 
  • 2. In jeder Folge kommen (fast immer) die gleichen Figuren vor
  • 3. Jede Serie hat einen ganz bestimmten Stil („Look“)

Natürlich will ich den Goldrausch nicht auf eine Stufe mit „MycGyver“ stellen, oder mit der „Schwarzwaldklinik“.

Dennoch: wenn man eine Serie haben will, dann kann man eine haben, man muss eben nur die obigen 3 Regeln beachten. 

Regel 2 sagt: „Immer die gleichen Figuren“. Das war einfach. Denn ICH würde in jeder Folge vorkommen. 

Regel 3 sagt: „ein bestimmter Look“. Auch das war einfach, denn je mehr Material ich sichtete, desto klarer wurde mir, dass mein Spazieren gehen mit der Kamera und das Reden mit der wackligen Kamera auf jeden Fall ein „Look“ wäre.

Regel 1 sagt: „Man muss eine Serie sofort innerhalb von Sekunden wieder erkennen“. Du ahnst es: Dies erfordert Arbeit.

Immerhin hatte ich schon den Titel: Marketing Goldrausch.

Was ich als nächstes brauchte war ein Vorspann. Ohne Vorspann keine Serie. Es ist DAS Element der Wiedererkennung.

Ein guter Vorspann ist ein Vermögenswert, und einen Vorspann zu kreieren ist eine Kunstform. Der Vorspann ist ein eigener Film im Film…

Mein Vorbild für den Vorspann war natürlich CALIFORNICATION (siehe Kapitel 2)

Klar, ich würde also Bilder aus Kalifornien nehmen wollen, und ein paar Bilder von mir in kalifornischer Kulisse, und das auf schöne Musik mixen. Die Bilder waren da, allein es fehlte die Musik.

Ich hätte einen großen Fehler begangen, wenn ich an dieser Stelle geizig geworden wäre, und mir eins dieser üblichen Aus-der-Dose-Musikstücke besorgt hätte – denn die kosten nix, und klingen passabel.

Ich aber wollte Wiedererkennungswert mit Unterscheidungskraft!

Ein eigener Song musste her!!

Ich rannte zu Fez, meinem Mentor. Er ist ein vielseitiger Bühnenmensch. Und Musiker auch.

Wir verabredeten uns um an einem Freitag um 12 Uhr Mittags bei ihm um mir ein Lied komponieren zu lassen, und als ich klingelte, machte mir ein verkaterter Struwwelkopf die Tür auf. 

„Timmy? Ist es schon zwölf… ?!“

Er ließ mich freundlicherweise rein.

Während Fez am Keyboard ein paar Sachen ausprobierte, bereite ich uns Guacamole zu. Avocados mit Tomate, Schalotte, Limette und Koriander. Dazu Tortilla Chips, klar.

 

fez

Fez spielte das Gitarrenriff übrigens mit einer leeren Bierflasche ein – des rauen Sounds wegen.

 

Nach zwei Stunden hatten wir irgendwas, aber es war leider nur netter Murks.

Du darfst dich geehrt fühlen, denn ich spiele dir diesen netten Murks jetzt vor:

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Ich war nicht glücklich damit, traute mich aber nicht, es Fez zu sagen.

Ich spielte den Song meinem besten Freund Rob vor (der mir ja per Skype meinen Trip gerettet hatte, du erinnerst dich) und Rob brachte Fez auf höfliche Weise bei, dass es… Murks war.

Also fing Fez völlig neu an, und krempelte den Song um – diesmal alleine, ohne dass ich ihm über die Schulter glotzte. Wer aber genau hinhört kann bereits beim ersten Versuch einige Elemente des finalen Hits feststellen…

Nach einer Woche sendete er mir das hier – ich war gerade in der französischen Provençe unterwegs, und besuchte die Baustelle des künftigen Kernfusionsreaktors namens ITER (ehrlich! warum auch nicht? so etwas steht nicht überall herum!).

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Meine Frau war zunächst nicht angetan davon, ich hingegen fand das schon viel besser.

Ich mochte insbesondere die Pause nach zwei Dritteln, und dass es danach mit Schwung weiterging. Das war kreativ. Und dazu fallen einem gute Bilder ein! 

Es ist doch so: Wenn Du Musik hörst und die Bilder strömen nur so durch Deinen Kopf, dann hast du einen guten Song – so einfach ist das!

Ich erbat eine bessere Version von dem Song. Fez machte sich drüber, spielte die Bier-Gitarre neu ein, ersetzte die synthetischen Klänge durch hochglanzpolierte digitale Instrumente und BUMM – fertig war der Marketing-Goldrausch-Theme-Song!

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Ich zahlte Fez 100 Euro, und weil die Zuschauer den Song dann später wirklich sehr mochten, zahlte ich ihm noch mal 100 Euro oben drauf. 

Das ist natürlich ein Freundschaftspreis, ich weiß. Aber immerhin ist es echtes Geld. Teurer als die Video-Schnittsoftware für meinen Apple war dieser Song allemal… 

Inzwischen war ich mit dem Sichten fertig.

Eine Woche hat mich das gekostet… und ich hatte bereits viel gelöscht, aber auch bestimmte Sachen ausgewählt.

Doch eine Struktur war nicht zu erkennen. Würde ich es chronologisch schneiden? Oder fange ich hinten an? Würde ich eine Erzählerstimme benötigen? Eine Landkarte?

Man kann alles machen mit Film. Je nachdem wie man ihn schneidet kann alles dabei herauskommen.

Beweis: „THE SHINING.“

„The Shining“ von Stanley Kubrick (nach einem Buch von Stephen King) ist einer der schlimmsten Horrorfilme überhaupt. 

Wer ihn kennt, wird wunderbar verwundert sein über folgenden Zusammenschnitt, der den Horrorfilm zu einer romantischen Komödie macht:

http://www.youtube.com/watch?v=KmkVWuP_sO0

Grandios, oder?

Andersherum klappt das Um-Schneiden genauso gut:

Aus „Harry und Sally“ (einer romantischen Komödie) wird ein Horrorfilm: 

http://www.youtube.com/watch?v=gMWpxTK7q2s

Oder hier, „Missis Doubtfire“

http://www.youtube.com/watch?v=N3bgipCebuI

 

Was ist die Lektion daraus?

Antwort 1: Man kann mit Film so ziemlich alles machen. Vor allem wenn man Filmmusik einsetzt, oder Ton-Effekte. Man kann nach Strich und Faden manipulieren. Man kann glaubhaft „Realität erschaffen.“

Antwort 2: Schneiden ist wie schreiben. Jedes Wort hat eine Bedeutung und eine Funktion, und je nachdem wie man Worte anordnet, ergibt sich jeweils ein völlig anderer Text. 

Im Film gilt das gleiche für jedes Bild (und jeden Ton). Film ist extrem komplex, und Schneiden ist ein sehr langwieriger aber machtvoller Prozess.

Ein guter Cutter kann einen Film retten, ein schlechter kann ihn ruinieren. Ein Cutter macht aus dem Material erst den vorzeigbaren Film.

Ich selber habe als 20-Jähriger mal zwei Jahre lang wie besessen Videos geschnitten. Musikvideos, Urlaubsvideos, selbstgedrehte Filmchen…

Damals war das noch sehr langwierig, weil man VHS und Hi8 erst digitalisieren musste (über Nacht) und dann war der PC sehr langsam beim Rechnen, aber immerhin. 

Ich wollte ja ein Filmemacher werden, und daher wollte ich wissen wie man schneidet. Also tat ich das auch. Von dieser Schnitt-Erfahrung, die ich damals gesammelt hatte, profitierte ich jetzt.

Als ich mit 22 mit Videoschneiden aufhörte und stattdessen das Studieren an einer Uni anfing, fand ich plötzlich, dass ich dieses ganze „Cutten“ umsonst gelernt hatte, und dass mir das nie etwas bringen wird…

Auch als ich mein Drehbuchstudium an der Filmschule abbrach, bildete ich mir ein, dass ich niemals mehr in „dramaturgischen“ Gefilden unterwegs sein würde…

Gott sei Dank irre ich mich oft.

Ich hätte das Goldrausch-Videoprojekt niemals angefangen, hätte ich nicht selbstbewusst vorher gesagt: „Ach, Schneiden… das kriege ich schon hin, kein Thema!“ 

Nicht jeder kann das von sich behaupten. Aber jeder kann Schneiden lernen. Es dauert halt ein paar Monate.

Wer diese Zeit nicht hat, aber einen längeren Film schneiden will, der sollte einen Cutter buchen.

Innerhalb von 2 Stunden hatte ich mich in das neue Schnittprogramm eingearbeitet, und fing an, die ersten Sachen zusammenzuschneiden. 

Noch bevor ich mich an den Vorspann machte schnitt ich die Episode 13 zusammen. Darin ging es um den Apple-Parkplatz und um Google und Yahoo. 

Ich benutzte dafür ausschließlich Hintergrundmusik und Toneffekte sowie Videoeffekte, die im Schnittprogramm selber enthalten waren. Ich habe keinen Cent für zusätzliche Effekte ausgegeben.

Diesen ersten Schnitt zeigte ich meiner Frau, meinem Trauzeugen, und beide fanden, dass der es etwas „langatmig“ war, aber dass sie Idee super sei, und ich weitermachen müsse.

„Langatmig“ ist übrigens die typische Kinderkrankheit jedes Films. Am Anfang hat man einfach noch zu wenig Material gelöscht – oder anders gesagt: man zeigt noch zuviel. 

Das Problem beim Cutten ist wirklich, dass man einerseits möglichst viel drin lassen will, aber in Wahrheit möglichst viel weglöschen muss – damit das Gezeigte interessant genug bleibt, und nicht langweilt.

Für jede Szene gilt dabei: „möglichst spät rein, möglichst früh raus.“ 

Wenn Du es schaffst, die Szene noch mal 5 Sekunden später zu beginnen, und noch mal 3 Sekunden früher zu beenden, dann tue es!

Man muss sehr viel Herzblut opfern beim Cutten.

Das Meiste fliegt raus. 

Er ist sehr schmerzhaft, dieser Löschprozess. Je mehr man rausschmeißt, desto härter wird man zu sich selbst, und zum Ergebnis auch. 

Am Ende muss man aufpassen, dass man nicht auch noch den Rest rausschneidet, und dann nichts mehr übrig hat. 

Ein Chirurg hat das gleiche Problem. Möglichst viele kranke Zellen weg, aber bloß nicht soviel dass das eigentliche Organ geschädigt wird… 

Der Chirurg hat jedoch nur eine einzige Chance. Am Computer hingegen darf man sich 10 verschiedene Schnitt-Versionen anschauen und dann eine auswählen. Oder alle wegwerfen und erst mal spazieren gehen.

Das Feedback für den ersten größerem Block war also aufmunternd.

Also machte ich mich an den Vorspann. Der hat mich zwei Tage gekostet. Zu recht. Denn er ist das, was bleiben wird von der Serie, oder?

Ich sage mal so: Der Vorspann „muss eine Welt aufmachen“ und einen Blick auf die Zukunft bieten, auf das was da kommt. Er muss unverwechselbar sein.

Und Hand aufs Herz: Mit „Californication“ hat dieser Vorspann nichts mehr zu tun, oder? Er hat einen eigenen Stil! 

Ach ja, eine der kniffligsten Fragen beim Vorspann war, wie ich mich namentlich vorstellen würde.

 

„Marketing Goldrausch. Von Tim Daugs.“

„Marketing Goldrausch. Mit Tim Daugs.“

„Marketing Goldrausch. Von und mit Tim Daugs.“

„Marketing Goldrausch. Starring: Tim Daugs.“

„Marketing Goldrausch. Ein Film von Tim Daugs.“

„Marketing Goldrausch. Das ist Tim.“

 etc.

 

Das führte zu gar nix. Ich beschloss irgendwann, einfach nur ein schönes Bild von mir zu zeigen (in der „Pause“ des Songs nämlich!!!) und einfach nur meinen Namen einzublenden.  

Man würde schon kapieren, dass der Typ da Tim Daugs ist, und dass es dort um ihn ging.

Ich fand diese Idee damals total „elegant“, aber wenn ich es mir heute anschaue, dann finde ich es einfach „naheliegend.“ 

Tja.

Das Naheliegende ist oft am schwierigsten zu sehen.

Nach zwei Tagen war der Vorspann fertig, und Rob kam vorbei und wollte ihn sehen.

Ich zierte mich nicht, immerhin gab ich ihm auch alle zwei Monate mal Feedback für seine Cutter-Arbeiten.

Sein Urteil. „Ja, hmm. Überraschende Bilder dabei, und ein paar Bilder von denen ich gerne mehr gesehen hätte und vielleicht in der Mitte etwas zu schnell geschnitten. Aber kann man so machen. Geht schon.“

Das war ein Ritterschlag für mich, und damit stand der Vorspann fest.

Was außerdem feststand, war der erste Satz der Serie, die erste Szene…

„Als ich klein war, hat man mir beigebracht Amerika zu hassen.“

Ich schnappte also die erste Szene, und klebte den Vorspann hinten dran, schaute es 10 mal hintereinander an, und wusste: „Ha! So wird die Serie beginnen!!“

Mit dieser Gewissheit machte ich etwas total Interessantes: Ich veröffentlichte einen „Teaser“ – also eine kleine Ankündigung, und zwar Mitte September:

 

 

Mit dieser Veröffentlichung ging quasi meine Webseite erstmalig auf Sendung. 

Plötzlich war die Domain www.marketing-goldrausch.de für alle Welt erreichbar, und jeder konnte nun sehen, dass der Tim da ein Projekt am Laufen hat, und dass es in Kalifornien spielt. 

Außer dem Teaser und der nackten Webseite war nur noch ein E-Mail-Formular auf der Seite zu finden, damit sich mögliche Interessenten dort eintragen können (als „Frühbucher“ sozusagen).

Auch benutzte ich auf der Webseite zum ersten mal in meinem Leben einen „Like“-Button, damit man die Seite auf Facebook liken kann.

Ich mailte ein paar Hundert meiner Abonnenten an und wies sie auf die neue Webseite hin. Über 100 Frühbucher trugen sich ein und es hagelte Dutzende „Likes“ – und Kommentare, die vor Neugier sprudelten.

Das gab mir Auftrieb.

Was mir außerdem Antrieb gab, war die öffentliche Deadline, die ich mit dem Teaser setzte: Oktober.

Im Oktober also würde ich hier etwas veröffentlichen MÜSSEN – was auch immer hinter „Marketing Goldrausch“ stecken mag…

Öffentliche Headlines motivieren einen oft – und manchmal schaden sie einem wie Hölle.

Es gibt nichts Erhabeneres als eine pünktliche Veröffentlichung, und es gibt nichts Schäbigeres als das Verschieben einer Veröffentlichung. Bei letzterer fangen die Leute an zu reden und zu spekulieren.

Ich darf es heute ja sagen: Ich hielt die Headline gerade so ein. Zwei Stunden bevor der Oktober ablief, schaltete ich meine 17-teilige Serie im Internet live, und schickte meine 50 Frühbucher auf die ersten 4 kostenlosen Videos, während ich noch an den letzten drei Videos herumschnitt.

Ich hatte eine Heidenangst. Zugegeben, ich war recht optimistisch, aber gleichzeitig hatte ich die Hosen voll. So wie ein Astronaut, der souverän lächelnd den Daumen hochreckt, und dabei Windeln trägt…

Es gab relativ schnell schönes Feedback für die Videos.

Mir fiel ein Stein vom Herzen. Offenbar hatte ich die Serie mit den richtigen Videos angefangen.

Als da wären:

 

1. Bekenntnis zum Größenwahn PLUS Fallschirm-Aktion

2. Golfplatz-Erniedrigung, Geständnis der Hartz IV Periode und „Schlangenbiss“

3. Die Story von Papa und Apple vor der nächtlichen Skyline

4. Der irre Börsen-Reporter

 

Ich fing an mit etwas Verstörendem und Selbstmörderischen, ging dann über zum Seelenstriptease und schwenkte dann ein auf unterhaltsames, direktes „Edutainment“ (Eine Wortschöpfung aus „Education + Entertainment“, bzw. „Unterricht + Unterhaltung“).

Dabei folgte jede Episode der gleichen Logik:

„Hook“ –> Vorspann –> Monolog (Handlung) –> „Cliffhanger“ oder „Trailer“ für neue Episode

Über den Hook haben wir gesprochen. Das einzige Ziel jedes Filmanfangs (oder jedes Anfangs eines Buchs, einer E-Mail oder eines Verkaufstextes) ist: dass der Zuschauer oder Leser weiterguckt, weiterliest. 

Ein Hook eignet sich perfekt dafür. Ein Hook wirft eine Frage auf.

Deswegen darf man am Video-Anfang auch Fragen stellen, Hauptsache man stellt ein „loses Ende“ her, ein plötzliches Problem, das noch nicht abgeschlossen ist…

– „Wussten Sie, dass Kolumbus Schwede war? Und dass er auf einem Auge blind war? Die folgende Geschichte…“

Hook!

– „Als ich klein war, hat man mir beigebracht Amerika zu hassen.“

Hook!

– Ein Flugzeug das offenbar in einen Wolkenkratzer kracht (Video 4)…

Ein Hook, klar!

Zusammenfassungen der letzten Episode, bevor die neue Episode losgeht, ist auch ein Hook, denn sie kehrt noch einmal die offenen Fragen und Probleme hervor.

Sie erinnert uns daran, dass nichts geklärt ist, und dass wir unbedingt auch die nächste Episode gucken müssen. 

Der Vorspann hingegen dient der Wiedererkennung, und zum Betiteln der Episode.

Apropos Titel. Ich habe mir Mühe gegeben bei den Titeln (sogar bei den Passwörtern für die Episode!).

Ich sag mal: Titel müssen rocken. Sie müssen selber Hook-mäßig gut sein.

 

„Klapperschlange“

„Papa“

„Abschleppen“

„Trance“

„Rotkäppchen“

 

Das SIND Titel.

Und das hier zum Beispiel wären KEINE Titel (sondern ein Verbrechen!): 

 

„Glück lässt sich nicht kaufen“

„Unter der Sonne Kaliforniens“

„Sommer in Sansibar“

 

Mein Lieblingstitel ist natürlich „Pilot“.

Denn im „Pilotfilm“ der Serie geht es um mich als „Fallschirm-Piloten.“

(Vielleicht ist das der heimliche Grund dafür, dass ich mit der Fallschirm-Episode starte.)

Monologe

Die Monologe sind das „Fleisch“ der Goldrausch-Episoden. Hier plaudere ich mehr oder weniger unvorbereitet direkt aus meinem Unterbewusstsein. 

Ich höre mich reden, und ich sehe Dinge in meiner Umgebung, die mich inspirieren, oder die ich spontan als Metapher einbinden kann.

Dabei bin ich so sehr wie möglich „im Moment“. Oft wirke ich unsicher – oder unfreiwillig komisch. Sogar müde. Aber ich habe einfach die Kamera laufen lasse, und mir gedacht: Komm Tim, du stehst gerade auf einer Bühne! Die Zuschauer warten! Sag was!

Wie gesagt, ich habe diese Schwächen zu Stärken gemacht…

Nur einmal habe ich das Monolog-Schema „gebrochen“ – nämlich als ich ein TV-Interview mit mir machte (Dwight Lindenstreet und die Live-Börsen-Schaltung nach San Diego).

Ich versuchte, bei meinen Monologen niemals die gleiche „Location“ (englisch für Drehort) zu benutzen, niemals die gleiche Bilderwelt. So dass wenigstens etwas Abwechslung entstand. Meine Nase würde ja immer die gleiche sein.

Am Ende jeder Episode habe ich versucht, einen Cliffhanger zu konstruieren. Ein „Cliffhanger“ ist genau das gleiche wie ein Hook: er lässt etwas offen, und macht neugierig.

Der beste Cliffhanger der Serie ist, als ich mich als Dr. Mabuse bezeichne. Und dann wieder nicht, und dann wieder doch… und dann geheimnisvoll grinse.

Man weiß nicht genau wie ich es in diesem Moment meine… und deswegen schnitt ich dort den Film ab und startete den Abspann. 

Der Zuschauer will aber die Auflösung, die gibt es jedoch nicht – erst in der nächsten Episode.

Vielleicht.

Einschub: Eines der größten Erfolgsgeheimnisse des Bestsellerautors Dan Brown ist es, ALLE seine Kapitel an ungewöhnlichen Stellen zu „beenden“. 

Er schneidet ein Kapitel einfach in der Mitte ab, und setzt dort die Überschrift für ein neues Kapitel – und tut so, als würde er ein neues Kapitel anfangen. Tut er aber nicht. Er setzt einfach sein abgeschnittenes Kapitel fort.

Das führt dazu, dass jeder Leser, der es gewohnt ist, das Buch zu schließen, wenn das Kapitel fertig ist, NIEMALS das Buch schließen kann (!!) denn an der Stelle wo Dan Brown ein Kapitel „beendet“ sind einfach noch zu viele spannende Fragen offen, als dass man jetzt das Buch zuklappen und schlafen gehen könnte!

Das führt dazu, dass man Dan Browns dicke Bücher innerhalb von 2 Tagen „wegfrisst.“ Und aus lauter Stolz darüber allen seinen Bekannten eine Empfehlung ausspricht, wie toll das Buch war.

Der einzige Ausweg ist tatsächlich: Mitten im Kapitel das Buch zumachen, denn dort herrscht meist keinerlei Spannung. 

Das gleiche gilt für TV-Serien wie Mad Men, Breaking Bad oder Homeland. Wer nicht das ganze Wochenende lang DVDs reinschieben will, der sollte mitten in einer Episode auf Stop drücken, und nicht die Episode zu Ende gucken, denn du weißt ja jetzt:

Das Ende einer Episode ist vollgeballert mit Cliffhangern, „Haken“ und anderen Suchterregern, und dein Gehirn hat KEINE Chance dem zu entkommen.

Meistens jedoch habe ich keinen Cliffhanger hinbekommen, sondern mich sauber und in aller Form verabschiedet. Das hätte ich besser (sprich: fieser) machen können! 

Vor allem bei den ersten Episoden (und bei Episode 1 ganz besonders) vermisse ich (aus heutiger Sicht) ein paar Cliffhanger. 

Weil den ersten Episoden die Cliffhanger fehlten, habe ich kurzerhand (ca. einen Monat nach dem Launch der Serie) ein paar Trailer (kurze Vorschauen auf die jeweils nächste Episode) geschnitten und an die Episoden angefügt.

 „In der nächsten Episode…“

Du sieht, auch nach Veröffentlichung habe ich noch viel an den Filmen herum geschnitten. Und auch an der Webseite habe ich rumgebastelt. 

Vor allem das neue Kopf-Banner der Webseite ist dazugekommen: Das „über den Wolken“-Bild nahm ich nach 2 Monaten auf dringendes Anraten eines Hamburger Lümmels namens Joschka B. raus, und ersetzte es mit „Tim spielt Baywatch“.

Ich höre nämlich auf meine Kunden, Leser und Zuschauer! Die wissen vieles besser als ich!!

 

vorher-nachher

Es sind zwei wahrlich unterschiedliche Bilder, oder? Ich habe beim zweiten Bild übrigens versucht, einen goldfarbenen Ton zu erzeugen. Und: als ich das zweite Banner online stellte, hatte ich Marketing Goldrauch bereits als Marke geschützt – siehe das kleine „TM“.  

 

Ich wusste wochenlang nicht, mit welchem Video ich starten sollte. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob die Reihenfolge optimal ist.

Derzeit ist das Fallschirm-Gleiten der große Starter. Und wird es wohl auch bleiben. Es ist einfach der Wendepunkt meiner Reise, der Höhepunkt ja auch (die „höchste Prüfung“), und vielleicht die beste Metapher der Serie („Absprung ins Ungewisse“ = eigenes Business aufbauen). 

Ich habe die Reihenfolge der ersten 4 Videos im ersten Jahr der Laufzeit der Serie mehrere Male geändert, ich habe die ersten 4 Videos mehrmals umgeschnitten, neu kombiniert, und habe sogar den Teil „Größenwahn“ komplett rausgenommen.  

Denn mir war dieses Größenwahn-Video etwas zuviel „Hunderttausend Euro hier, Fünfzigtausend Euro da.“

Hier für die Uneingeweihten noch mal das Video über „Größenwahn.“ So schlecht ist es ja nun auch wieder nicht:

 

 

Von diesen „Reihenfolge“-Problemen bekommt kein Zuschauer jemals etwas mit. Kein Zuschauer ahnt, dass ich Nächte damit verbrachte, zu entscheiden, wie ich meine Episoden strukturierte.

Ein Zuschauer denkt immer: „Da hat jemand ein Buch geschrieben, dann verfilmt und dann brav geschnitten.“ 

Bei mir war es: „Da hat jemand leider kein Buch geschrieben, ohne Konzept viel gefilmt, und dann per Schnitt eine Pseudo-Struktur hingemogelt, wo keine war.“

Du glaubst gar nicht, wie viel Zweifel mir jedes Mal hochkamen, wenn ich die eigene Visage stundenlang anguckte und dann beschloß, dass ich die Szene absichtlich drin lasse, wo ich minutenlang vor Müdigkeit gähne. 

Solche riskanten Szenen fliegen bei anderen Cuttern sofort raus, logisch.

Aber beim Tim nicht. Denn was bedeutet es denn, wenn jemand wie ich behauptet, dass er viel Zeit hat, dann aber nur gehetzte Bilder zeigen würde? 

Es würde bedeuten, dass er eben KEINE Zeit hat. Sondern es nur behauptet. Also ein Lügner ist! 

Dadurch dass ich aber bewusst solche „langweiligen“ Szenen drin lasse, beweise ich, dass ich wahrlich großen Zeit-Luxus genieße.

Und DAS wollte ich beweisen. Man beweist Zeit-Luxus nicht, indem man gleich zum Essen mit Madonna muss oder nachher noch einen Termin mit Angela Merkel hat.

im Gegenteil! Man beweist seinen Überfluss an „Eigenzeit“ (= Zeit, die nur mir gehört) indem man sich erlaubt, mitten in Kalifornien total müde zu sein, absolut nichts zu tun, und das dann auch noch zu filmen und öffentlich zu zeigen!

„Was, Sie haben 1 Million Dollar und keine Zeit für Ihre Kinder? Sie arme Sau!!“ 

Die ganzen unterschwelligen (subliminalen) optischen Elemente der Serie, die ganz nebenbei auf meinen relativen finanziellen Wohlstand hindeuten (großes Zimmer im Hilton-Hotel, großes SUV-Auto, große Reise, 20 gebügelte Hemden hinter dem Fahrersitz) würden jede Glaubhaftigkeit verlieren, hätte ich durch mein Verhalten genau das Gegenteil von dem ausgedrückt, was ich durch meine Worte aussagte: 

Nämlich dass mein Online-Business deswegen so geil ist, weil es mich zeitlich befreit.

Und dass es genug abwirft, um mit dieser freien Zeit schöne Dinge anzufangen.

(Wo ich gerade dabei bin: zu den schönen Dingen die so ein Business ermöglicht gehören überaus zeitfressende Tätigkeiten wie: die eigene Kinderbetreuung, das Lesen ganzer Bibliotheken, das sorgfältige Einkaufen von Lebensmitteln, das Zubereiten von frischgepressten Säften, Sport, Seminare besuchen, ehrenamtliche Tätigkeiten für den Verein ausüben, der regelmäßige Besuch in der Klinik für Chinesische Medizin und bei der Heilpraktikerin für die körperliche Prophylaxe, das gründliche Recherchieren von zwiespältigen Sachverhalten wie „Kinderimpfung – ja oder nein?“, das Einplanen und Durchziehen von Fastenkuren, wochenlang Urlaub machen, Champions League gucken)

(Nein, ich schweife nicht ab.)

 

Die ersten Kommentare unter den Videos waren also sehr vielversprechend.

Auch an dem Tag, als die Frühgucker auf das vierte Video stießen, ließ sich aus dem Feedback große Anerkennung für mein Projekt ablesen. 

Die Frage war nun: Was sollte es meine Zuschauer kosten, damit sie nach den ersten 4 Gratis-Videos auch die anderen 13 Videos schauen dürfen? 

Die Antwort gebe ich im nächsten Kapitel.

Doch zuvor muss ich noch auf das Thema „opfern“ kommen.

 

Denn der Held muss in dieser Phase opfern.

In dieser Phase eines heldenhaften Hollywood-Films, wo also die Rückkehr und die Verfolgung stattfinden, werden entbehrliche Charaktere geopfert, damit der Held zurückkehren kann.

Oft sterben jetzt Freunde des Helden, oder gar die Mentoren, oder sie verschwinden einfach. Die Story konzentriert sich jetzt nur noch auf den Helden und seine letzte Prüfung. 

Meine letzte Prüfung – so dachte ich zumindest – war mit dem Launch der Serie bestanden. 

Das war ein Irrtum.

Hier die Wahrheit: Das Adwords-Problem hat sich in den ganzen Wochen seit meiner Rückkehr nicht gelöst. Ich durfte weiterhin keine Werbung bei Google kaufen. 

Hier die brutalere Wahrheit: Ich dürfte bis ans Ende meines Lebens keine Werbung mehr bei Google kaufen. 

Auch meine Frau dürfte das nicht, meine Schwester dürfte das nicht. Und auch bei Youtube kann ich das nicht, denn Youtube gehört Google. 

Ich suchte das ganze Internet nach Auswegen ab. In Foren traf ich auf Leidgenossen, die ebenso aus heiterem Himmel abgeschossen wurden.

Es sind mir Fälle bekannt, da wurden User gesperrt weil Sie früher mal Werbung gekauft hatten für ihre Webseite, und als diese User dann ihre Webseite verkauften, und der neue Webseitenbesitzer die Webseite so umbaute, so dass sie gegen die Google-Richtlinien verstieß… da sperrte Google die früheren Besitzer.

Es war wie ein Orwell’scher schlechter Scherz. Kaum gab Google neue Richtlinien raus, verstießen zahlreiche eigene Seiten plötzlich rückwirkend gegen diese Richtlinien, und man wurde rückwirkend bestraft. 

„Es tut uns sehr leid, Sir. Die frühere Seite verstößt gegen die heutigen Richtlinien.“ 

Ich will nicht behaupten, dass ich Googles Standpunkt bezüglich meiner Webseite nicht verstehen würde, immerhin war es ein sehr scharfer Verkaufstext, und 90% der Leute, die auf diese Webseite kamen, klickten sich sofort weg.

(90% direkte Absprungrate ist kein königlicher Wert. Bei Neurostreams springen nur 40% direkt ab, beim Goldrausch nur 25%. Die 90 Prozent waren für Google einfach zuviel. 

Der Google-Roboter sagte sich wohl: „Dies kann keine gute Seite sein. Also darf sie auch nicht beworben werden. Ich stecke mal eine rote Flagge in diese Webseite und lasse einen echten Mitarbeiter draufgucken.“)

Doch obwohl ein echter Mitarbeiter dann die Webseite anguckte und den Daumen senkte, war es so gut wie unmöglich, mit diesem Mitarbeiter direkt zu reden, oder herauszufinden, was er (oder Google) an der eigenen Webseite denn konkret störte.

Selbst mein Angebot, meine abgestrafte Webseite zu löschen und die Domain freizugeben führte nur zu einem Achselzucken bei Google.

 

truth

Was für eine Mail.

 

Auf deutsch:

Pech wenn du die Domain verkauft hast, denn dann kannst du die Webseite nie mehr ändern.

Glück wenn du die Domain noch besitzt, so kannst du wenigstens die Webseite löschen und eine völlig neue Webseite dort hinsetzen und diese dann von Google segnen lassen, damit wenigstens das Konto wieder aktiviert wird.

Das tat ich. 

Meine jahrelang aufgebaute Subliminals-Webseite, die ich hundertfach verlinkt hatte, und für die meine Affiliates schon Banner platziert hatten… ich würde sie löschen müssen.

Stattdessen würde ich eine harmlose Informationsseite auf diese Domain setzen, ohne Produktangebot, ohne Verkaufstext. Etwas Unverfängliches eben.

Das wäre ein sehr großes Opfer.

Ich würde mein Schlachtschiff Nummer Eins versenken müssen, meinen Goldesel, mein Viertel-Millionen-Umsatz-Ding.

Warum würde ich so etwas Bescheuertes jemals tun? 

Weil mein „Super-Schlachtschiff“ ohne Google-Werbung unterging. Es konnte nicht schwimmen ohne Klick-Werbung. Keinen Meter weit.

Ich habe es mit Yahoo-Werbung probiert, mit Bing, Microsoft, bei Facebook, mit Joint Ventures (Kooperationen mit anderen Verkäufern), mit Email-Promotionen…

Mit dem erschütternden Erkenntnis, dass es im Internet nur Google gibt – oder gar nix. 

Yahoo, Facebook, Microsoft – alles schön und gut, nette Firmen, aber die haben zusammen nur 5 % des Klickwerbe-Marktes. Ein schlechter Witz. 

Google beherrscht alles. 

Es beherrscht die Suchmaschinen, die Videoportale, Email (per Gmail), inzwischen auch Handys (Android), Browser (Chrome), es beherrscht die Landkarten (Maps) und es hat alle Infos von dir, die man haben kann, vor allem wenn man ein gewerblicher Kunde von denen ist:

Adresse, Name, Geburtsdaten, Online-Suchverhalten, Kreditkartennummer, Hausfassaden, Email-Konten, alles.

Wenn Du jemals von Google ausgestoßen wirst, mein Freund, dann gnade dir Gott. 

Der Tag, an dem Google Satelliten kauft und die Erde filmt, ist der Tag, an dem es auf der Erde einen gottgleichen Alleswisser gibt.

Egal ob du (wie ich) 40.000 Euro an Werbegebühren an Google gezahlt hast – wenn du raus bist, bist du raus.

Wenn du von einem wütenden Gott als Satan gebranntmarkt wirst, ist das Spiel aus.

Zu Beginn meiner Sperre dachte ich: „Das ist ja lächerlich, dann gehe ich halt zur Konkurrenz. Für wen hält sich Google eigentlich?“ 

Danach dachte ich: „Die Konkurrenz ist nicht existent, dann muss ich halt mit Google verhandeln.“

Als Google nicht verhandelte dachte ich: „Da wird sich schon eine Möglichkeit finden.“

Es fand sich keine.

Monatelang fand ich keinen Ausweg, und verlor viel Geld. (Ich verlor es nicht, sondern bezahlte dem Geschäftsführer meiner Firma zwangsweise weiterhin sein Gehalt – mir selbst).

GOTTSEIDANK hatte ich noch meine Abonnenten (es waren einige Tausend) und meine Kunden (ungefär genauso viele).

Und diese kauften mir während der Dürreperiode das eine oder andere Produkt ab – oft zu Sonderpreisen, denn ich jagte eine Promo nach der anderen raus.

Ich bemühte mich um große Affiliate-Schlachtzüge, um Kooperationen, um Bündelangebote… das half zwar, und rettete meine Firma für den Moment, doch es war absehbar, dass diese taktischen Maßnahmen irgendwann aufhören würden zu funktionieren.

Kein Abonnent will ständig Sonderangebote haben, das zerstört sämtliches Vertrauen in den Verkäufer! Also musste ich weiter nachdenken: „Was tun?“

Bis es mir irgendwann dämmerte: 

 

„Töte deine Goldene Gans.“

Als ich Ende September völlig fertig vom andauernden nächtlichen Filmeschneiden auf meine Kontoauszüge schaute, wurde mir etwas schwindelig.

Die Kosten für die USA-Reise taten unerwartet viel weh. Hätte ich vorher gewusst, wie teuer der Trip wird, und dass Google sich permanent stur stellen würde, und dass meine Aktien in den Keller rasseln, vielleicht hätte ich die Reise abgeblasen.

Das mit den Aktien war mir scheißegal, auch die Kosten für den Trip fand ich immer noch angemessen, aber Googles schiere Monopol-Macht machte mich sehr nachdenklich.

Würde ich jemals wieder mit Google arbeiten wollen, jetzt wo mir klar war, wie brutal hart diese Firma sein kann?

(Ich verrate es gleich: Aber ja! Und wie gerne sogar! Man muss nur einsehen und kapieren, dass man selbst der Böse, und Google „der Gute“ ist.

Dann vergibt man Google ganz leicht, und ist sogar dankbar für die „Lektion“, die Google einem erteilt hat – dazu mehr im nächsten Kapitel.) 

Gibt es etwas Teuflischeres als eine Firma die von sich sagt „Don’t be evil“ („Sei niemals böse“) und dann Tausendfach die eigenen Kunden, deren Existenz von Google abhängt, ohne Vorwarnung abwürgt – auf Lebenszeit, für alle Konten, und alle Webseiten die mit dir zu tun haben könnten?! 

Ich bin sicher, über Google werden noch viele Bücher geschrieben. 

Okay, zurück zum roten Faden.

Ich saß also mit meiner Frau beim Abendbrot, und sagte es ihr:

 

„Wenn es so weitergeht bin ich in 4 Monaten pleite.“ 
„Was ?“
„Ja, dann ist das ganze Geld weg. Startkapital, der Rest auch, alles.“
„Was wirst du tun?“

 

Wir nahmen uns den Worst Case vor, den schlimmsten aller Fälle. Was würde ich bei einem Bankrott anstellen? 

Die Firma rechtzeitig schließen, klar. Ich würde schuldenfrei rauskommen, auf jeden Fall, und ein paar Computer und und paar Hardware-Sachen und die Büro-Ausstattung würden weiterhin mir gehören. Das Kapital jedoch…

Ich stellte mir das bildlich vor. Keine GmbH mehr. Kein Geschäftsführer mehr. Keine Unabhängigkeit mehr.

Mir kamen die Tränen.

War’s das? War das der große Traum? War das die „Rache für den Erfolg“?

Wie konnte das überhaupt passieren?

Ich habe doch seriöse Produkte! Ich habe doch lobende Kundenmeinungen veröffentlich! Geld-zurück-Garantien! Ich zahle doch alle meine Steuern!

Es änderte nichts. Nichts kam mehr rein.

Während der ganzen Video-Dreherei und Schnibbelei habe ich die Bedrohung einfach ignoriert. Mindestens 2 Monate lang, wahrscheinlich viel länger.

Während vor mir auf dem Bildschirm der optimistische, selbstbewusste Tim redete, braute sich um mich herum eine düstere Wolke zusammen, die bald mein ganzes Universum einnahm.

 

darkzimmer

Tim in seinem Kämmerlein… mit seiner Video-Software „Final Cut Pro“ an seinem iMac. Im Hintergrund neben dem Musikteil steht eine Flasche Mate, damit er auch diese Nacht durchhält…

 

Und als ich schließlich dann den Blick vom Bildschirm hob, war es fast zu spät… 

Die Wolke umhüllte mich vollständig.

Ist Gott ironisch?

Lässt er mich erst auf die große Erfolgs-Reise und danach bankrott gehen? 

Meine Frau indessen interessierte sich nicht für diese Frage, sondern quälte mich mit einer anderen.

„Wirst du wieder in einer Agentur arbeiten und Werbeslogans texten?“

„Muss ich wohl. Aber ich will nicht!“

Mein Zorn wurde riesig. Ich wurde wütend. Erst auf Google. Dann auf die Welt. Und endlich auf mich.

Wie konnte ich nur so bekloppt sein? 

Wie konnte ich mich auf EIN Produkt als Haupteinnahmequelle verlassen? Wie könnte ich mich auf EINE Besucher-Quelle – Google nämlich – verlassen.

Wie konnte ich nur so ein behämmerter, naiver Anfänger sein!

Hier ein passendes Goldrausch-Video (bisher ungezeigt):

 

 

Offenbar hat da jemand bereits während des Filmens unterbewusst gespürt, was auf ihn zukommt. Offenbar hätte ich mir dieses Video ein paar Monate davor einmal selbst ansehen sollen! 

Noch bevor ich mich mit Google dann später einigte, schwor ich mir:

Nie wieder würde ich nur von einem Produkt abhängen. Und selbst wenn ich bei Google wieder zugelassen werde – nie wieder würde ich nur noch von Google als Besucherquelle abhängen wollen.

Der Schwur gilt. 

An dieser Stelle nur soviel: Die Zeit lief. 

Denn seit dem Abflug in die USA hatte ich mich kein bisschen um einen möglichen Bankrott geschert. Ich war blind dafür. Ich wollte ihn nicht sehen, obwohl er näher kam. 

Nach meiner Rückkehr verbarrikadierte mich in meinem Büro, in meiner Traumwelt, vor meinem strahlend schönen Riesen-Bildschirm, und ich schwebte durch die Bilder Kaliforniens und ließ Episode um Episode entstehen, immer ein Glas Wein griffbereit.

Realität? Das ist keine Kost für jemanden, der gerade Träume zimmert… 

Aber sobald der Träumer aufwacht, weil ein Eimer kaltes Wasser in seinem Gesicht landet, muss er diese schwere Kost verdauen.

Und dann die Konsequenzen ziehen. 

Auf deutsch: HANDELN.

Ich zog ein scharfes Messer aus der Schneide, und schärfte die Klinge. 

Nachdem ich einen PDF-Ratgeber zum Thema „Wie erhalte ich meinen Adwords-Account zurück?“ studiert habe, wusste ich genau, wo an der Kehle ich das Messer anzusetzen hatte 

Ich musste schlucken.

Die Tage der Goldenen Gans waren gezählt.

Tim

 

PS: The Magic Flight 

In Campbells Heldenreise kommt es im Zusammenhang mit dem „schwierigen Weg zurück“ regelmäßig zu einem Ereignis, das er „The Magic Flight“ nennt.

The Magic Flight kann auf deutsch sowohl „die magische Flucht“ als auch „der magische Flug“ bedeuten.

Diese beiden deutschen Wörter Flug und Flucht sind sich phonetisch ähnlich, vor allem in Berlin, wo man statt „Flugzeug“ gerne „Fluchzeuch“ sagt.

Ein „Magic Flight“ kann also wirklich etwas völlig Unterschiedliches bedeuten!

Aber oft ist es ein und dasselbe: Ein Flucht mit einem Fluggerät.

Früher, in den alten Zeiten der Antike, war jeder Flug automatisch magisch (denn es gab noch keine Flugzeuge), und so ein Flug kam immer auch einer Flucht gleich bzw. ermöglichte die Flucht.

Beispiele:

Wenn Frodo am Ende der „Herr der Ringe“-Trilogie völlig fertig auf dem Vulkan liegt, ist jedem klar, dass er den strapaziösen Weg zurück niemals schaffen kann.

Was passiert? Ein Riesenadler kommt und trägt ihn davon. Es ist ein magischer Flug mit einem magischen Vogel, und es ist auch eine magische Flucht, denn zwei Minuten später wäre Frodo von Lava überrollt und verbrannt worden.

Auch in „Star Wars – Episode III“ kommt es zu einer magischen Flucht vor der Lava. Anakin Skywalker liegt ziemlich fertig darnieder, ohne Arme und ohne Beine, denn die wurden ihm gerade von Obiwan abgeschlagen…

Da aber kommt plötzlich der Sith Lord mit dem Raumgleiter vorbei, packt den schreienden Anakin ein, und statt ihn in Ruhe sterben zu lassen, verpasst er ihm eine Auferstehung: künstliche Arme und Beine, ein neues Atmungssystem und ein neues „Gesicht“ werden ihm transplantiert: die berühmte schwarze Maske… 

(Hier ist also jeweils eine Auferstehung passiert: Auferstehung bzw. Wiedergeburt wird im nächsten Kapitel Thema…)

Ich hatte so einen „Magic Flight“-Moment. 

Bei mir war es eher Flug. Es war natürlich der Rückflug nach Berlin. 

Warum war er magisch? 

Erinnerst du dich an die Wolken für mein Headerbanner, das ich für meine Webseite geplant hatte (und welches auch die ersten Wochen dort prangte)?

So sahen die Wolken aus:

 

 clouds

 

Fast genau so sah es aus, als ich im Halbschlaf über Irland aus dem Flugzeug blickte.

Wie eine Prophezeiung, die sich selbst erfüllte. Die Vision wurde Wirklichkeit.

Ich schreibe das deshalb hier so mit Nachdruck, weil der Blick auf die Wolken ein wichtiger Moment für mich war. Man wartet als Selbständiger oder als Unternehmer ja immer auf Zeichen dafür, dass man auf dem richtigen Weg ist, oder? Und da war so ein Zeichen.

Es war ein Donnerwetter!-Gefühl, das ich in diesem Minuten spüren durfte. Es war wie ein Schulterklopfen von ganz weit oben.

„Siehst Du Tim, du lebst in einem magischen Universum. Es gibt viele Dinge die du nie verstehen wirst, aber es gibt immer genug Dinge, die beweisen, dass alles möglich ist…“

Manchmal hilft es daran zu glauben, dass wir in einer magischen Welt leben, und dass man selber magische Kräfte besitzt… und du dir deine Wünsche erfüllen kannst.

Und weil deine Wünsche die Tendenz haben, sich zu erfüllen, musst du bitte auch haargenau aufpassen bei dem, was du dir wünschst.  

(Wie heißt es doch so schön: Gott straft die Menschen, indem er ihnen ihre Wünsche erfüllt.)

Nun könnte man natürlich einwenden und zetern, dass man beim Fliegen oft solche Wolken sieht.

Kann ja sein.

Aber dass ich diese Wolken erst beim Rückflug sehe, und dass sie golden sind, und dass sie in dem Moment auftauchen, wo ich mit gutem Gewissen und voller Zufriedenheit das Goldrausch-Schwert noch fest in meiner Hand spüre, das ist kein Zufall für mich.

(40 Stunden Filmmaterial im Handgebäck waren Beweis genug, dass ich das Schwert ausreichend ergriffen und geschwungen hatte)

Aber du weißt ja bereits: Der Rückflug war nicht meine schwierige Rückkehr in meine normale Welt. 

Meine lange Rückkehr bestand aus wochenlanger Kleinarbeit am Computer – und aus dem nicht zu gewinnenden Kampf mit Google.

 

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