Der 2. Schritt


Der Ruf des Abenteuers ertönt

 

 

Baby,

ungefähr vor 10 Jahren beschloss ich ausgerechnet inmitten des Labyrinths der Medina von Marrakesch, das Rauchen wieder anzufangen.

Ich kaufte mir bei einem Händler, die dort trillionenfach hinter dir herwuseln, eine Kippe und ein Streichholz.

Ich rauchte, und nach der Hälfte der Zigarette wurden meine Knie weich.

Alles was ich noch zu Ben raunen konnte, war: „Please, help me.“

Dann setzte ich mich an die nächstbeste Wand, schmiss die Kippe weg, und horchte in meinen Körper hinein.

Mein Blutdruck sank, mir wurde schwummrig, und weil ich Angst und Panik bekam, fing mein Herz an zu pumpen wie wild.

Ich sah marokkanische Kinder feixend mit dem Zeigefinger auf mich deuten. Es schien als wussten sie etwas, was ich nicht wusste.

Nämlich, dass die Zigarette vergiftet war, und man mich ausrauben, einsperren, foltern, ausweiden und schließlich leichenfleddern würde.

Ich dachte das wirklich.

Ben blieb neben mir stehen und wusste nicht was er tun sollte. Er hatte keine Ahnung, was mit mir los war. Und ich war dermaßen paranoid, dass ich keinen englischen Satz mehr hervorbrachte, um ihm zu erklären, wie sehr ich in Gefahr war.

10 Minuten später, ich war immer noch am Leben, führte er mich den Arm stützend aus der Medina raus.

Niemand folgte uns. Offenbar war es doch kein Anschlag auf uns Touristen, sondern einfach nur starker Tobak. Zuviel auf jeden Fall für mich.

Es ging wieder besser.

Doch von Marokko hatte ich bereits jetzt die Nase voll.

Ben bald auch. 5 Tage später würden wir aus Marokko flüchten, zurück ins zivilisierte Spanien, froh, dem Wahnsinn rund um das Atlasgebirge noch einmal entkommen zu sein.

In Spanien würden Ben und ich wieder nach Madrid fahren, und dort an der Uni den Kurs „Geopolitik“ beenden, der jetzt, im Februar 2002, durch die Semesterferien unterbrochen worden war.

Ben war Amerikaner. Der 11. September lag noch nicht lange zurück. Arabien war für Amerikaner damals ein relativ heißes Pflaster.

Was muss man noch über Ben wissen? Naja, zum Beispiel dass er aus Kalifornien kommt, genau genommen aus Sebastopol, das liegt in Sonoma County, was wiederum 80 km nördlich von der Golden Gate Bridge in San Francisco liegt.

Mit Ben habe ich einige schöne Reisen gemacht. In Galizien haben wir schön jugendlich am Strand geschlafen und das Fußball-WM-Match USA-Deutschland verfolgt, damals, als Kahn auf dem besten Weg war, zum Titan zu werden.

Manchmal machten wir Dada-Gaga-Projekte, wie zum Beispiel: „In jedem Bild, das wir von der Reise nach Asturien machen, muss ein goldener Bilderrahmen schon enthalten sein.“

Dabei kam dann so etwas heraus:

 

framepictures

2002: Ben (rechts) und ich (unten) und eine kantabrische Kuh (oben) und unsere „Rahmen“-Bilder aus Nordspanien. Die Regel lautete : Der Bilderrahmen musste bereits im Foto enthalten sein.

 

Kurz: Ben war ein Kreativer, freundlicher, bisweilen brillanter Bursche aus einer Welt, die ich damals noch nicht kannte. Er war mein Studienfreund. Nach Madrid ging er zurück in die Staaten, und wir hielten losen Kontakt.

Dann, vor 3 Jahren, feierte ich meine eigene Hochzeit. Als Hochzeitsgeschenk wollten meine Frau und ich eine große tolle Reise bekommen, aber wir konnten uns nicht auf ein gemeinsames Ziel einigen.

Ich wollte nach Kalifornien, sie wollte nach Japan. Denn sie kannte Kalifornien bereits.

Also stellten wir zwei Geldkisten auf unserem Brauttisch. Einen für Japan, einen für California.

Japan gewann mit einem gewaltigen Vorsprung.

Also flogen wir im Herbst 2010 nach Fernost statt in den Goldenen Westen.

Kalifornien? Später. Vielleicht. Hoffentlich.

In Japan habe ich dann jeden Tag so viele Fotos gemacht, und diese Fotos dann für meine kommerziellen Webseiten genutzt, dass ich Teile dieser Japan-Reise sogar als Geschäftsreise von der Steuer absetzen konnte. Das hat mir bestimmt fast 1000 Euro gespart!

(Wer’s nicht glaubt, der schaue sich mal Neurostreams.com an. Dort sind jede Menge Bilder aus Kyoto, Nara, Tokyo – aber auch aus England, Andalusien, Thailand und aus der Provençe).

Im Frühling 2011 erhielt ich dann eine Mail von Ben.

Er lud mich zu seiner Hochzeitsfeier ein. Leider fiel der Termin auf den 80. Geburtstag meiner Omi, so dass ich absagen musste.

Im Sommer 2011 erhielt ich dann eine weitere Mail von Ben. Er lud mich diesmal zu seiner Hochzeits-Nachfeier ein:

hoedown

Da war er, der Ruf!

 

Ich fragte meine Frau, ob sie Lust hätte, mitzukommen.

Sie sagte: „Ich kenne Ben zwar nicht, aber du willst da unbedingt hin, also tu es!“

Ich erwiderte: „Aber wir sind frisch verheiratet! Sollten wir nicht alles im Leben zusammen machen?“

Wir guckten uns an und kicherten drauf los. Was für ein Quatsch! Alles zusammen? Das wäre der Tod jeder Ehe…

Also schrieb ich Ben, dass ich nach Sebastopol kommen würde. Alleine.

 

Die Eingebung

Man fliegt nicht nach Kalifornien um dort zwei Tage zu bleiben und eine Nacht lang zu feiern.

Man fliegt dort mindestens 2 Wochen hin. Und dann wird es plötzlich ganz schön teuer. Man will ja was sehen von dem Land.

Also überlegte ich, wie ich den Trip finanzieren könnte.

Ich überlegte nicht lange: Ich würde es machen wie in Japan! 

„Ich besuche Ben, und mache einfach eine Geschäftsreise daraus!! Das hat in Japan doch auch geklappt…“

Und phantasierte vor mich hin:

„Ich fliege da rüber, drehe 10 oder 20 Episoden, erzähle den Zuschauern wie ich mein Web-Business aufgebaut habe, schaue mir nebenbei Kalifornien an, setzte das zu 100% von der Steuer ab, und werde zum unangefochtenen deutschen Video-Marketing-Gott. Das kostet ein paar Tausender, etwas Zeit beim Drehen und beim Schneiden, und fertig ist die Soße.

Na wartet! Ich zeig’s Euch allen!

Allen so genannten langweiligen Web-Marketern, „Supergurus“ und Internet-Social-Media-Start-up-Quatschköpfen!“

(Was ich damals so schlicht und elegant von mir gab, müsste ich heute im Rückblick so formulieren: „Ich fahre nach Kalifornien, arbeite mir zwei Wochen den Arsch ab, und einen Abend lang werde ich statt zu arbeiten ein paar Stunden lang auf einer Party mitfeiern. Das kostet mich eine verdammt große Stange Geld und viel Zeit, und ich verbringe Monate mit sogar noch mehr Arbeit, und nebenbei geht aus unerwarteten Gründen fast meine Firma bankrott.“)

Der Ruf des Abenteuers hatte mich also voll gepackt.

Das passiert jedem Helden, und damit setzt sich die Heldenreise in Gang…

 

Schritt 2 – Der Ruf des Abenteuers

Ein Ruf ergeht an den Helden: Ein Problem (oder einmalige Chance) ist aufgetaucht.

Der Held ist persönlich herausgefordert. Stellt er sich dem Abenteuer? 

 

Was muss man wissen, um den 2. Schritt der Heldenreise zu verstehen?

Nicht allzu viel.

Der zweite Schritt ist offenkundig, und leicht zu erkennen.

Meistens taucht nämlich ein Bote auf, der eine Nachricht für den Helden hat. Diese Nachricht bringt die normale Welt des Helden in Ungleichgewicht.

Nehmen wir als Beispiel den Film „Matrix“. Neo sitzt abends an seinem Computer und erblickt plötzlich Worte auf seinem Bildschirm.

Ein „Bote“ hat sich bei ihm eingehackt, und befiehlt ihm, den Leute, die gleich an der Tür klingeln zu folgen. („Folge dem weißen Kaninchen…“)

Später dann, in seinem Büro, erhält er vom Boten einen Anruf, der ihn während der folgenden Flucht durchs Gebäude dirigiert.

Als weiteres Beispiel können wir gerne wieder den Herren der Ringe nehmen. Hier findet Gandalf (der in diesem Fall gleichzeitig Bote und auch Ratgeber ist) heraus, was es mit Onkel Bilbos Ring auf sich hat, und er erklärt Frodo, dass er da jetzt leider einen Job zu erledigen hat… nämlich den Ring ins ferne Mordor zu tragen und zu vernichten.

Es ist der Ruf des Abenteuers, der da ertönt! Er bringt die Welt in Ungleichgewicht, und die Geschichte in Gang.

Bei „James Bond“ nennt sich der Bote zu Beginn jedes Film in schönster Tradition „M“, sitzt in einem Ledersessel und schickt den Geheimagenten auf seine neue abenteuerliche Mission.

Bei „Star Wars“ ist der Bote ein Hologramm, das Luke eine traurige Botschaft überbringt, woraufhin er sich aufgerufen fühlt, etwas zu unternehmen.

Der Film „Titanic“ lässt sich etwas Zeit mit dem Ruf des Abenteuers. Erst als sich Rose von Bord stürzen will, geht die Story richtig los: denn Jack, der Held, erhält den Ruf zum Abenteuer. Das Abenteuer besteht nicht darin, Rose zu retten, sondern aus der Liebesgeschichte, die sich als Konsequenz dieser Rettung ergibt…

In Rainman erhält Tom Cruise die überraschende Nachricht, dass er einen behinderten Bruder hat (und dass dieser das ganze Geld, nämlich 3 Millionen Dollar erbt). Das hebelt die Welt des Helden ordentlich aus den Angeln, oder? Und schon geht die eigentliche Geschichte los.

Selbst bei einem Wim-Wenders-Film wird man den Ruf des Abenteuers finden, zum Beispiel in „Lisbon Story“. Darin findet der Held gleich zu Beginn in seiner Post eine Ansichtskarte aus Lissabon, wo drauf steht: „Komm bitte sofort hierher!“

Auch eine Ansichtskarte kann ein Bote sein; und schon macht sich der Held auf die Reise…

Der Ruf des Abenteuers zeigt also in aller Regel auch das Ziel einer Heldenmission an. Ob man nun den „Ring“ zerstören soll, „Goldfinger“ schnappen soll, „Sally“ erobern soll (Grüße von Harry!), den „T2-Terminator“ aufhalten oder „Darth Vader“ besiegen soll – die Aufgabe ist klar.

Der Rest des Films gibt dann Antwort auf die Frage, ob der Held es schafft, diese Aufgabe zu erfüllen. Dabei kann es sich um die Eroberung eines Schatzes oder eines geliebten Menschen handeln, den Gewinn eines Spiels oder Wettlaufs, es kann sich um Rache handeln, um die Ausmerzung von etwas Bösem oder Schlechtem, um die Erfüllung eines Traums, und so weiter…

Eins steht bereits fest: der Held kann nicht einfach nichts tun. Er kann nicht weiter in seiner bequemen normalen Welt verweilen. Er ist gerufen, etwas zu tun. Auf ihn kommt es plötzlich an!

Er muss fort.

„Ich muss fort. Ich muss nach Kalifornien.“

Um mich heiß zu machen für das Projekt, besorgte ich mir ein bisschen Input.

 

Hier eine Auswahl:

* Das Video „A DAY IN CALIFORNIA“

 

**Die französische TV-Serie „J’irais dormir chez vous“ („Ich werde bei Ihnen schlafen!“)

PS: Der Typ ist richtig mutig. Er muss Leute ansprechen, sie spontan kennenlernen und sich eine Übernachtung bei ihnen ergattern. So etwas könnte ich nicht – Chapeau!

 

*** Californication (die sexbesessene US-Serie mit David Duchovny)

PS: Der Vorspann der Serie würde das Vorbild für meinen Goldrausch-Vorspann sein. Das wusste ich zu diesem Zeitpunkt bereits, ohne auch nur einen Schritt in Kalifornien getan zu haben!

 

**** Die „frühen“ Marketing-Videos von Maria Andros, wie dieses hier

PS: Von Maria Andros, einer kanadischen Video-Marketing-Expertin, habe ich den Trick mit dem Selfie-Kamera-Teleskop-Stativ geklaut. Inzwischen verdient sie viel Geld und produziert perfekt ausgeleuchtete Glanz-und-Gloria-Videos.

 

(Und ALLE machen heute Selfie Videos. Damals war ich einer der absolut ersten die sich das trauten!)

Ich googelte und youtubte mich also erstmal wund.

Bilder von Kalifornien strömten auf mich ein… Geile Natur, irre Städte, Farben, Wetter, Menschen.

Ich fing langsam an, von „dem Projekt“ zu träumen. Und das bedeutete natürlich, dass es bald Realität werden würde.

Denn: Ohne Träume passiert gar nichts. Träume stehen immer am Anfang. Wenn du von etwas nicht träumen kannst, dann wird auch nix daraus.

So.

Bevor ich aber irgendetwas konkret planen oder entwerfen konnte, brauchte ich einen Titel, zumindest einen Arbeitstitel.

Und weil das Ergebnis meiner Reise nicht Videos sein würden (!), sondern eine Webseite mit Videos (!!), machte ich mir außerdem Gedanken über die Webseite.

Die 3 folgenden Geburtselemente würde ich benötigen:

1. Das Wichtigste jeder Webseite, also das entscheidende Geburts-Element ist die Adresse, auch Domain genannt.

Das was nach dem www. kommt, nennt sich Domain. Sie ist entscheidend für eine Reihe von Dingen.

Nehmen wir mal als Beispiel für eine Domain: Neurostreams.com

Das ist die Adresse, unter der man diese Seite findet, und womit auch Google Neurostreams findet.

2. Das zweite Element ist das Schlüsselbild/die Schlüsselgrafik. Das findet man meistens gleich ganz oben. Diese Grafik transportiert ein Gefühl.

Bei Neurostreams ist es der entspannende Blick auf Meer, oder ein Blick auf den Boden eines Zen-Gartens in Japan. Das Gefühl lautet: Entspannung, Wohlfühlen, Ruhe. Gleichzeitig zeige ich ein paar Icons von Musik-Playern. Damit wird klar, dass es hier auch um Musik geht.

3. Damit das Gefühl zusammen mit der Domain keine Rätsel aufgeben, braucht man noch einen kleinen Text, einen Slogan bzw. einen Schlachtruf, oder einen mini-kleinen Erklärtext, worum es hier auf der Webseite geht.

Bei Neurostreams lautet es: Das erste Gehirnwellenradio der Welt.
Oder auch: Mentalradio für Deine Gehirnwellen.

 

neurostreams

Die Schlüsselgrafik von Neurostreams: „Meer, Palmen, Entspannung.“ Dazu Player-Icons, sowie der Name des Produkts („Neurostreams“), der Slogan ist auch zu sehen (rechts oben), und sogar ein Logo dazu (links oben).

 

Manchmal erübrigt sich so ein Slogan. Wenn z.B. die Domain lautet: www.abnehmen-mit-der-ananas-kur.de, und die Grafik zeigt einen gertenschlanken Typen in seiner alten, nunmehr viel zu großen Hose, mit einer Ananas in der Hand, und einem Lächeln auf dem Gesicht, dann braucht man keinen Slogan mehr, oder?

An die Arbeit

Du siehst, schon lange bevor ich drüber nachdachte, was ich wo in Kalifornien sehen will, rackerte ich mich geistig an meiner künftigen Webseite ab.

Zuerst also die Domain. Über Domains kann man ganze Bücher schreiben…

Domains kosten Geld, die meisten sind bereits vergeben, und wenn man Suchmaschinenoptimierung (SEO) macht, dann ist der Domain-Name das zentrale „Problem“ bzw. der Angelpunkt jeder Webseite.

Die Domain MUSS dann ein begehrtes Suchwort (oder mehrere davon als Kombination) enthalten.

Wenn man aber wie ich auf SEO pfeift, dann pfeift man auch auf das Suchwort in der Domain, und überlegt sich, ob man lieber einen Markennamen erschaffen will, oder ob man sich lieber eine lustige, faszinierende Domain holt, die man sich gut merken kann.

Hier ein paar meiner Webseiten als Beispiel:

  • Neurostreams.de – Markenname: ja, Suchwort darin: nein, Domain originell: nein.
  • Vokabeln-lernen-wie-2037.de – Markenname: nein, Suchwort darin: ja („Vokabeln lernen“), Domain originell: geht so
  • Silent-Subliminals.de – Markenname: nein, Suchwort: ja („Silent Subliminals“), Domain originell: nein
  • New-Dimension-Insider.de – Markenname: nein, Suchwort: nein, Domain originell: nein (dreimal nein! also wirklich eine schlecht gewählte Domain.)
  • TimDaugs.com – Markename: ja, Suchwort: ja („Tim Daugs“), Domain originell: nein
  • HD-1080p.de – Markenname: nein, Suchwort: ja, Domain originell: nein
  • XXL-Affiliates.net – Markenname: nein, Suchwort: geht so („Affiliates“), Domain originell: nein

Du siehst, manchmal geht es mir mehr um die Marke, ein andermal mehr um das Suchwort, und manchmal nur um die „Originalität“.

Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich.

Für mein Kalifornien-Projekt entschied ich mich intuitiv für etwas Originelles.

Dass auch ein Suchwort mit dazu kommen würde („Marketing“) und ich aus „Marketing Goldrausch“ eine geschützte Wort/Bild-Marke machen würde, konnte ich damals echt noch nicht wissen.

Ich wusste damals gar nichts.

Ich war ja noch nie in Kalifornien! Woher soll ich wissen, was ich da für Filme machen würde? Und wie kann man sich denn da im voraus (!!) eine passende Webseite inkl. Domain ausdenken??

Antwort: Man kann natürlich trotzdem.

Alles was es braucht, ist ein bisschen Brainstorming, Zeit und Papier.

Auf zum Schreibwarenladen!

 

Am Anfang war das Blatt…

…leer.

 

Man fülle es mit Ideen!

Wie man das macht, kann ich nicht erklären. Ich mache es einfach. 

Ich weiß nur, dass es eine einsame, langwierige Arbeit ist, manchmal unterbrochen von einem Geistesblitz…

Mir helfen dabei meistens Techniken wie:

Und da kam dann recht schnell (Stunden später, kurz vorm Einschlafen) „Marketing Goldrausch“ dabei heraus .

 

„MARKETING GOLDRAUSCH“

 

Da prangte er nun, der Titel. Es war mehr als nur Arbeitstitel, es fühlte sich wie ein echter Titel an, wie eine fertige Domain!

Ich ließ den Titel tagelang auf mich wirken.

Goldrausch?

Goldrausch?!

Goldrausch????????

 

Ich schrieb irgendwann die folgenden Zeilen.

 

goldrausch-2.0

 

Aha.

Finde Gold, wo vorher keins war… erschaffe Gold!

Das fand ich ziemlich clever.

 

Dennoch: Wie würden die anderen Menschen auf so einen Titel reagieren?

Mir kamen viele kritische Einwände, so zum Beispiel:

  • „Marketing Goldrausch“ klingt verkäuferisch, nach lautem Marktgeschrei
  • „Gold“ ruft die ganzen Bilder von Glücksrittern und leeren Versprechen auf den Plan
  • „Goldrausch“ provoziert massiv, vor allem wenn man an die armen Seelen des echten Goldrauschs vor 150 Jahren denkt
  • „Marketing Goldrausch“ klingt etwas „windig“, und riecht bisweilen nach Hochstapler

Der eine oder andere mag sogar pure Ironie in diesem Titel erkennen (denn Goldrausch ist NATÜRLICH viel zu hoch gegriffen!), und das war mir recht, denn wer mich kennt, weiß, dass ich 72% meiner Zeit ironisch drauf bin.

Immerhin hatte der Titel das Zeug zu einer Marke. Und griffig war er auch. Und sogar ein Suchwort war drin: Marketing.

Fazit: ein gefährlicher, zweischneidiger Titel.

Wenn man so einen Titel für die Webseite nimmt, dann muss man gegensteuern, mit dem Schlüsselbild und dem Slogan nämlich.

Das Schlüsselbild

Ein Schlüsselbild muss eine Welt aufmachen. Es muss etwas bedeuten. Es muss etwas symbolisieren. Es muss ein Gefühl hervorrufen oder transportieren. Es muss viel mehr…

Man kann im Prinzip alles als Bild nehmen (sogar einen platten Fußball), und alles ergibt irgendeinen Sinn, doch man will ja einen ganz bestimmten Sinn, oder?

Als ich auf meinen Titel starrte, wusste ich zunächst nur, was ich auf keinen Fall und niemals als Bild nehmen würde: Gold.

Und alles was auf der gleichen Schiene daherkommt: Geld, dicke Autos, Schmuck, Swimming Pool. Alles das war verboten. Denn sonst wird sofort unglaubhafte Hochstapelei daraus.

Stell Dir nur mal so etwas ekelhaft Plumpes wie das hier vor:

eklig

Wenn ich auf „reich werden“ und „schnell Kohle machen“ abzielen würde, dann bekäme ich Zuschauer, die nur Geld wollen ohne es zu verdienen (Lottospieler, Faulenzer, Neider) und das sind in aller Regel Leute, um die ich einen Bogen mache.

Leute mit einer Mission oder einer Vision sind mir viel lieber.

Apropos Vision. Irgendwann hatte ich eine für mein Schlüsselbild. Ich assoziierte einfach Rausch mit „Höhenrausch“ und mit „Fliegen“, sowie Gold mit „goldener Farbe“.

Und schon hatte ich im Kopf das Bild, über den Wolken zu sein, über den goldenen Wolken.

Ich begab mich auf Bildersuche und fand innerhalb von 30 Minuten diese 3 schönen Wolkenbilder:

 

wolken

Das war schon mal ein Anfang.

 

Das mittlere Bild sprach mich am meisten an, es war so schön weich und warm und leise.

Ein Blick aus dem Flugzeug deutet ja auch eine weite Reise an, raus aus dem Alltag, ungewöhnliche Perspektiven, die andere Seite… Ich zoomte ein bisschen an die Sonne ran und schnitt viel von dem Foto weg.

Und dann?

Als nächstes suchte ich mir eine Schriftart („Typo“) aus. Natürlich wollte ich eine Schrift, die an einen alten Wildwest-Saloon erinnert, wenigstens ein bisschen…

Ich wählte diese hier:

 

goldrauschwolke

 

Das Bild und der Titel ergaben zusammen schon mal einen angenehmen Sinn, aber es war noch etwas rätselhaft, spirituell und abgehoben, oder?

Immerhin hatte ich mit diesem Schlüsselbild schon mal ein Bild FÜR MICH – es erinnerte mich an mein Projekt, und versprach ein großes Abenteuer.

Es steckte alles drin. Und vor allem: es hatte nichts mit Geld, Gold, Hochstapelei oder sonstigem Bullshit zu tun.

(Ich benutzte dieses Bild viele Monate, so gut gefiel es mir. Auch als ich die Video-Serie Ende Oktober 2011 veröffentlichte, prangte dieses Bild noch ganz oben auf meiner Webseite.

Erst zwei Monate nach der Veröffentlichung änderte ich auf Anraten eines Kollegen aus Hamburg das Bild.

Seitdem erblickt man auf der Webseite zuerst den großen Baywatch-Strand, und auch mich, weil ich dort im Sand stapfe.

(Ich habe keine Ahnung, ob ich durch diese Änderung Zuschauer gewonnen oder verloren habe…)

Fehlte nur noch der Slogan

Ein Slogan ist: ein Werbeslogan. Er ist eine Kampfansage, ein Versprechen, eine Vision – alles in einem Satz!

Er sagt aus, warum etwas Bestimmtes so einzigartig ist. Er transportiert den Markenkern, also wofür man steht. Und so weiter.

Ein guter Slogan ist ein Kunstwerk, und Werbetexter schreiben oft tagelang nur an diesem einzigen Satz…

Berühmte Slogans:

Dr. Oetker: Qualität ist das beste Rezept
Deutsche Bank: Leistung aus Leidenschaft
Bifi: Bifi muss mit!
McDonald’s: Ich liebe es
Clausthaler: Nicht immer, aber immer öfter

Und natürlich:

Marketing Goldrausch: Es ist genug für alle da

 

Alles klar?

Im nächsten Kapitel zeige ich Dir genau, wie eine verkaufsstarke Webseite auszusehen hat, was reingehört, und was nicht.

Tim

 

PS: Eine Domain zu kaufen dauert 2 Minuten, sie zu kündigen dauert immerhin 10 mal so lang. Also überleg es dir gut, ob du das tust.

Man kauft nicht einfach so eine Domain. Ich meine damit nicht die 10 Euro, die man dafür ausgibt, sondern ich meine: Eine Domain ist wie ein kleines, hilfloses Baby. Sie will leben und wachsen. Und du spürst das.

Jede neue Domain ist eine zusätzliche Belastung. Jede Domain braucht eine Email-Verwaltung, Spamfilter, Impressum, Kontaktformulare, Inhalt, Design, Datenbank, Datensicherung, Speicherplatz, und damit geht es erst los.

Ich habe irgendwann mal auf einen Schlag 30 meiner unverarbeiteten Domains verkauft. Diese 30 Domains standen für „nicht angefangene Projekte“, für „gute Ideen“ und für „bei Gelegenheit“ mache ich das.“

Die Wahrheit ist: Diese 30 Domains verursachten schlechtes Gewissen, saugten meine Energie ab, und schrien wie hungrige Babies um die Wette.

Darum: Kaufe keine Domain solange du musst. Denn in dem Moment, wo du eine Domain kaufst, schaffst du Fakten. Und Fakten sind mächtig.

Manchmal ist das hilfreich, manchmal nicht.

In meinem Fall war es mehr als hilfreich. Ich kaufte die Domain am 9. August 2011, also knapp 2 Wochen vor Abflug. „Der Ruf des Abenteuers“ hatte sich in jenem Moment von einem Traum in eine Aufgabe verwandelt.

Der Kauf der Domain war übrigens das erste Geld, das ich für das Projekt ausgab. Ab jetzt würden die Ausgaben Schlag auf Schlag kommen…

 

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