Der 4. Schritt


Das Zusammentreffen mit dem Ratgeber


 

Fünf Tage vor dem Abflug in Richtung Goldener Westen saß ich in einer Gondel eines Sessel-Lifts in Südtirol, und schwebte ins Tal hinunter.

Hinter mir lagen 48 Stunden Bergtour – und zwar mit meinem Vater. Es war eine Strapaze…

timunddad

Training für den Goldrausch: Spazieren auf 2000 m Höhe

 

(Du denkst, dass das nichts mit meinem Goldrausch zu tun hat? Irrtum!)

Schon nach den ersten 7 Stunden Aufstieg hatte ich einen Kreislaufkollaps, ich lag mit Schüttelfrost in einer Berghütte auf 2100 Meter Höhe irgendwo in den Dolomiten in Südtirol.

Grund für den Kollaps: mangelnde Fitness.

Mein Vater päppelte mich auf – mit Knäckebrot und guten Worten.

Am nächsten Morgen schien die Sonne und ich war wieder auf dem Damm.

Wir wanderten den ganzen Tag, und wir trafen mehrere Bergwanderer die die gleiche Sorte Armband trugen wie ich.

Nämlich das hier:

amulett

 

Ich habe es mir extra für das Kalifornien-Projekt gekauft, und wollte es vorab auf der Bergtour einweihen.

Mein Armband war eins dieser Power Balance Dinger aus Silikon und Hologramm – es ist praktisch auf jedem meiner Goldrausch Videos zu sehen…

Erst später wurde mir klar, dass mein Armband ein „Amulett“ war, und dass es zum Schritt 4 der Heldenreise gehört.

(Auch wenn es Schutzgeister offiziell nicht gibt, lege ich Wert darauf, dass sie jederzeit für mich da sind, basta.)

Kennst du die Herkunft des Wortes Amulett?

Amulett (arabisch)… von [hammalat] – das „Tragband“.

Ein Tragband ist Aberglaube. Es ist ein symbolisch stark aufgeladener magischer Gegenstand.

Es hilft außerdem beim Fokussieren auf die Aufgabe, es erinnert einen daran, dass man eine Mission hat.

(Deswegen trägt man es am besten an der Hand, so dass man es sieht, und nicht am Ohr, wo nur die anderen Menschen es sehen.)

Das Amulett erhält der Held in aller Regel von seinem Ratgeber. Dieser Ratgeber spielt eine wichtige in dieser Phase der Heldenreise.

Ein Ratgeber ist einer der Archetypen der Heldenreise.

Er tritt in schöner Regelmäßigkeit in Phase 4 der Heldenreise auf. Er berät den Helden. Er kennt die andere Welt. Und er bereitet den Helden darauf vor…

Ich sage nur: Gandalf, Morpheus, Meister Yoda.

Ich habe inzwischen zwei Ratgeber identifiziert, die mich damals auf die Reise vorbereiteten:

  • Fez (ein Amerikaner in Berlin, der in Kalifornien lebte)
  • Der Reise-„Führer“ (natürlich „Lonely Planet“)

Auf Fez werde ich später zu sprechen kommen. Er hat immerhin die Vorspann-Musik komponiert und eingespielt!

 

fez

Er war Announcer auf meiner Hochzeit, ist ein guter Kumpel und kommt aus Kalifornien: Multi-Talent „Fez Wrecker“. Man kann ihn für Shows buchen.

 

Nur soviel: Fez lebte früher in San Diego, hat mindestens eine Schwester, die in Los Angeles Roy Lichtenstein-Bilder verkauft, und er ist ein wundervoller Ideengeber. Er empfahl mir einige Orte, die ich nicht verpassen durfte. Und er nahm mir meine Angst.

„Timmy, you will love it!“

Er wusste natürlich, dass bei so einem Trip nicht nur Freude im Spiel sein würde, aber er wäre kein Mentor, wenn er sagen würde: „Listen Timmy, are you sure you wanna do this? You are not made for this…“

Dann wäre er nämlich ein Schwellenhüter. Ein anderer Archetyp; jemand der einen testet, hinterfragt, den Zugang versperrt.

Berühmte Schwellenhüter: Der Höllenhund Zerberus, der Himmelswärter Petrus, der Totenfluss-Fährmann Charon, die Shpinx in der Ödipus-Sage.

Und mein Vater.

Mein Vater war oft in meinem Leben Mentor für mich, aber in meiner Heldenreise eher ein Schwellenhüter, und kein Ratgeber.

Er kannte die andere Welt schlicht nicht.

Er machte zwar bei der Einweihung meines Amuletts mit, aber er ist keiner, der an magische Gegenstände glaubt.

Überraschend viele Bergwanderer hingegen glauben an das Power Balance Armband! Genau wie ich.

Dieses hatte sich in meinem Fall nach 48 Stunden bewährt.

Es hielt mich ganz und heil. Keine Knochenbrüche, aufgeschürfte Knie, Abstürze… nur Blasen an beiden Hacken.

UND, ACH JA,  RICHTG: ein lädiertes Knie ebenso. Auch dazu werde ich später mehr sagen, in einem der nächsten Kapitel.

Zum Thema Reiseführer hingegen muss ich Dir wohl nicht viel berichten.

Außer dass es heutzutage Reiseführer-Bücher sind, die wir vor großen Abenteuern konsultieren – und eben nicht mehr die Ratgeber aus Fleisch und Blut.

Trotzdem handelt es sich beim Reiseführer-Buch natürlich um einen echten Führer, Ratgeber und Mentor. Das Buch ist in diesem Fall der Archetyp.

Denn das Buch hat dafür gesorgt, dass ich mich auf den Trip akkurat vorbereitete.

 

Etappe 4 – Das Treffen mit dem Ratgeber 

Ein Ratgeber (Ratgeber = Guide, Führer, Vaterfigur, Mentor) hilft dem Helden weiter.

Er bereitet den Helden auf das vor, was kommt, und stattet ihn mit wertvollen Ratschlägen, Wunderwaffen oder Amuletten aus.

 

Als ich mit meinem Daddy auf die Bergtour ging, waren daher folgende Dinge bereits in Sack und Tüten:

  • Ich habe mich um das Visum gekümmert. Dabei lernte ich dann, dass ich kein Visum brauchte, sondern das Reisedokument ESTA. Diesen Antrag konnte man online zum Preis von 14 Euro stellen – also eine kleine USA-Einreisesteuer.
  • Der Reisepass war immer für mindestens 6 Monate gültig und enthielt keine Stempel aus dem Iran, aus Kuba oder Nordkorea.
  • Außerdem entsprach er zufällig den biometrischen Parametern, ohne die man mich nicht hätte ins Flugzeug steigen lassen.
  • Wichtig war auch, dass ich die Heimat-Adresse von Ben schon mal ausgedruckt hatte – man muss nämlich eine Adresse am Zoll vorweisen können, zumindest ein Hotel oder so – sonst folgen möglicherweise unangenehme Fragen…
  • Der neue große Reisekoffer stand bereit, in den würde ich meine geschniegelten 15 Hemden reinkriegen, Klamotten für Kälte und Hitze, mein ganzes Equipment und auch meinen Rasierapparat.
  • Mein deutscher Führerschein steckte schon im Portemonnaie – hätten mich allerdings die Cops drüben angehalten dann hätte ich evtl. Probleme bekommen. Aber der Autoverleiher am SF Airport zuckte nicht mal mit der Wimper, Hauptsache ich hatte eine dicke Kreditkarte.
  • Ich hatte mir eine neue Frisur zugelegt. Seitenscheitel.
  • Und eine neue Brille hatte ich mir auch extra anfertigen lassen. Damit ich in etwa so nett und putzig und reich aussehe wie Warren Buffet!

wabu

Buch-Tipp: lies mal eine Biographie über einen Investor

  • Kein Witz! Diese neue „Tim-Optik“ war Teil der Planung.
  • Auf eine neue Sonnenbrille (?) habe ich absichtlich verzichtet. Meine alte machte es noch, außerdem ist grelle Sonne sehr gut gegen Kurzsichtigkeit weil sie die Augenmuskeln trainiert. Und glücklich macht!
  • (Und vor allem glaube ich fest daran, dass niemand mir sein Vertrauen schenkt, so lange er mir nicht total direkt in die ehrlichen nackten Augen schauen kann. Nur cool zu sein „verkauft“ nicht, wetten dass?)
  • Mein Film- und Ton-Equipment war auch schon „vollständig“ (dazu später mehr in einem anderen Kapitel) (es war alles andere als vollständig, Kollege).
  • Versicherungen abgeschlossen: Auslandskrankenversicherung, Auto-Vollkasko etc.
  • Impfungen: ohne mich! Vor allem nicht, wenn nicht vorgeschrieben.
  • Reiseführer: jawohl, habe ich, check!
  • Cash: Ein paar Hundert Euro mal eben in der Sparkasse gegen Dollar gewechselt…
  • EC-Karte: ja, bringt was, mitnehmen!
  • Kreditkarten: ich hatte zwei dabei. Gottseidank! Kurz vor Abflug fiel mir nämlich auf, dass meine Firmenkreditkarte ein lächerlich geringes Wochen-Limit aufwies – 500 beeindruckende Euronen. Ich nutze diese Karte eher selten und daher war mir das nicht bewusst.
  • Die Bank brauchte 10 geschlagene Tage (während ich bereits in den USA war!) um zu entscheiden, dass ich solvent genug wäre für 2000 Euro pro Woche. Das war natürlich immer noch zu wenig, und so wurde ich später an einer Tanke in San José abgewiesen, weil das Wochen-Limit überschritten war. Da half dann die private Kredit-Karte weiter. Die Reisekosten-Abrechnung nach dem Trip wurde dadurch nicht gerade einfacher…
  • Merke: Lass Dein Limit erhöhen, wenn du reist. Sonst wird’s brenzlig.
  • Gast-Geschenk: Scheiße, fehlt noch! Also kaufen gehen…  

Nachdem ich diese Liste abgearbeitet habe, tat ich etwas wirklich Wichtiges.

Ich kaufte mir ein Flugticket.

Nun kann man ja denken, dass die Schwierigkeit beim Kauf darin liegen, die günstigsten und sichersten und Direktflüge zu bekommen.

In Wahrheit muss man aber jetzt drei viel wichtigere Probleme lösen:

– Wo fliege ich hin? 

San Diego? San Francisco? L.A.? Oder gar Las Vegas?

– Wann lande ich?

Lande ich drei Wochen vor dem „Howdown“, reise erst mal herum und mache Bens Feier zum krönenden Abschluss der Reise?

Oder soll diese Feier den Beginn der Reise markieren? Oder soll sie in der Mitte der Reise erfolgen – als „Bergfest“?

Wie lange bleibe ich eigentlich?

Reichen nicht 10 Tage? Sind 3 Wochen nicht eigentlich auch zu kurz?

Puuuh!

Alle 3 Fragen sind miteinander verknüpft. Wenn man nur eine davon beantwortet, dann ergeben sie die anderen zwei Antworten von selbst.

Im Grunde brauchte ich wirklich nur eine einzige Antwort.

Es war die erste große Entscheidung, die vor mir auftauchte.

Was tat ich also?

Ich guckte mal auf die Landkarte…

 

Aus dieser Planung resultierte das Flugticket:

ticket

 

Hinflug: 24. August 2011

Rückflug: 11. September 2011 (am 10. Jahrestag der Twin Tower Sache!)

Dauer: 18 Tage

Automieten: Ja! Und zwar am liebsten einen Jeep. Man lebt nur einmal.

Kosten: 1.000 für Flug, 1.000 für Auto Benzin und Parken, 1.000 für Hotels, 500 für Futter, 500 für den Rest… Pi mal Daumen also 4.000 € nur für den Trip.

Inhalt meiner Videos: keine Ahnung!

Ehrlich: Keine Ahnung!!

(Damit hatte ich ein nettes 4.000-€-Risiko an der Backe —> Ausweg: Stoffsammlung!)

 

Zeit für etwas STOFFSAMMLUNG.

Drei „gewaltige Recherchen“ genügten, um mir das Gefühl (!) zu geben, dass ich genug Material haben würde, über das ich im Notfall stundenlang und ohne größere Vorbereitung reden kann.

Recherche Nummer 1 betraf Kalifornien allgemein: Was fällt einem (sprich: „jedem“) dazu ein? Welche Mythen werden wachgerufen, wenn man das Wort Kalifornien raunt?

Recherche Nummer 2 betraf Kaliforniens weltberühmte Technologie-Firmen, denn auf diese wollte ich mich in meine Goldrausch-2.0-Saga beziehen… und sogar leibhaftig aufsuchen.

Immerhin überweise ich fast alle meine Geschäftsausgaben nach Kalifornien (Hardware, Software, Web-Apps, Web-Dienstleistungen, Zahlungsanbieter). Und auch du kennst viele davon!

Siehe selbst:

 

silikon

Quelle: na was wohl: Wikipedia

 

Die dritte Recherche ging nur um mich selber: Was kann ich eigentlich vermitteln? Wo macht mir keiner was vor? Was bin ich vielen Menschen voraus?

Hier ein paar einfache Antworten (die komplizierten lassen sich leider nicht an ein breites Publikum verkaufen, sondern nur an ausgesuchtes):

Das war also meine inhaltliche Vorbereitung für den Trip. Eine lockere Reiseplanung, ein längerer Blick auf die Landkarte, ein grober und recht flexibler organisatorischer Rahmen, und ein paar lose Ideen für die Inhalte der Videos.

Und das alles schnell-schnell in ein Notizbuch skizziert.

Der Rest – der eigentlichen Inhalt – würde mir schon einfallen! Dann vor Ort in Kalifornien…

… dachte ich jedenfalls.

Ein Drehbuch hielt ich zu diesem Zeitpunkt also für unnötig.

Das war ein Fluch und Segen zugleich. Du wirst bald erfahren, was ich meine.

 

Übrigens: die letzte Mindmap war (und ist immer noch) ein Hinweis darauf, auf welchem Gebiet ich Stärken habe, und wo ich mich jederzeit als Experte positionieren könnte.

Für die Planung des eigenen Business ist dies ein extrem wichtiger Test.

Wenn immer Du also nicht genau weißt, was deine Stärken sind (oder was du als Produkt oder Dienstleitung anbieten kannst) dann erstelle NOCH HEUTE deine Mindmap!

Leitfrage:

„Über welches Thema und Unter-Thema kannst du stundenlang frei reden? Und zwar so, dass neutrale Zuschauer davon gebannt, gefesselt, berührt, fasziniert und motiviert werden!“

Erschaffe eine Mindmap zu dieser Frage für dich, und du wirst Antworten erhalten! Nimm dir 50 Minuten Zeit. Nicht länger, nicht kürzer.

Tim

 

PS: Hast du dich zufällig gefragt, was für andere magische Gegenstände ich außerdem noch auf meine Reise mitgenommen habe?

Ich verrate es Dir:

Eine kleine Flasche Absinth (als Gastgeschenk für Ben), eine detaillierte Straßenkarte von Kalifornien – und eine Skype-Adresse.

Was ich nicht wusste:

Diese Skype-Adresse würde mir während meines Trips das ganze Marketing-Goldrausch-Projekt retten.

Aber wer weiß denn so etwas schon vorher?

 

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