Der 5. Schritt


Das Überschreiten der Schwelle


Baby,

es folgt hier gleich ist meine erste Filmaufnahme, die ich in Amerika gemacht habe.

Die Aufnahme passierte, noch bevor ich wusste dass ich meine Notizen vergessen hatte (ich hatte sie nicht vergessen, denn ich fand sie nach der Reise beim Auspacken meines neuen Koffers wieder – in einem „Geheimfach“).

Ich drehte diese kurze „Filmszene“ nach 38 Stunden ohne Schlaf, genau zwei Stunden nach der Landung, mit der freien wackligen Hand, während des Fahrens in meinem neuen Leihwagen.

Ich hatte mich sehr (und tagelang) auf DIESEN Moment gefreut.

 

 

Bedrohlich, nicht wahr?

Das war die strahlend rote Golden Gate Bridge, die über den sonnig-blaue Bucht von San Francisco führt.

Dafür bin ich nun 9115 Kilometer geflogen.

(Luftlinien ausrechnen: http://www.luftlinie.org/Berlin_San-Francisco)

War diese grottendüstere Aufnahme symbolisch für das, was an den nächsten Tage kommen sollte?

Du liegst nicht falsch, wenn du genau das vermuten würdest…

Warten wir es ab.

 

5. Das Überschreiten der Schwelle

Jetzt geht die Geschichte richtig los.

Der Held überschreitet eine gut behütete Schwelle und betritt erstmals die „andere Welt.“

Das hat natürlich Konsequenzen.

 

Während in Schritt 4 die Mentoren, Guides und Ratgeber ihren Auftritt hatten, kommen nun in der fünften Etappe der Heldenreise die Schwellenhüter zum Zuge.

Schwellenhüter sind grimmige, strenge, humorlose Wesen.

Sie bevölkern typischerweise Orte, die einen Übergang von A nach B symbolisieren.

Sie strahlen immer etwas Bedrohliches aus – und gleichzeitig das Gefühl, dass hinter ihm eine Welt voller interessanter Gelegenheiten liegt…

Als da wären:

  • Staatsgrenzen – die Schwelle schlechthin. Ohne Ausweis, Visum und Unterwürfigkeit geht oft gar nix.
  • Türen – schon mal was von Türstehern gehört? Wer ihr Urteil nicht respektiert, kriegt was auf die Nase.
  • Portale – den Eingang zum Londoner Buckingham Palace bewachen Soldaten mit hohen Mützen. Sie verziehen keine Miene, egal ob man ihnen gerade eine Banane ins Ohr steckt.
  • Schranken – Zöllner, Gefängniswärter, Parkhaus-Automaten, Bahnwärter und… Passwort-Eingabefelder! sind alles Begleiterscheinungen von solchen Schranken.
  • Die Eingänge zum Himmel (von Petrus) und zur Hölle (von Zerberus, dem dreiköpfigen Hund) werden von Schwellenhütern bewacht. Selbst im Krankenhaus gibt es eine Empfangsdame, die einen erst mal darauf prüft, ob man versichert ist… auch eine Schwellenhüterin!
  • Brücken – Die Sphinx fragte Ödipus auf einer solchen: „Wenn Du die Antwort auf mein Rätsel kennst, lass ich dich über die Brücke gehen, andernfalls musst du sterben.“

 

Auch auf der „Golden Gate“-Brücke hausen Schwellenhüter.

(Sie kassieren 5 $ für die Überfahrt. Und 5 weitere Dollar wenn man wieder zurück will.)

 

Meine Lieblings-Schwellenhüter

schwellenhüter

Die Wächter von Argonath. Bild-Quelle: http://lotr.wikia.com/wiki/Argonath

 

Das Bild zeigt eine nachgemachte Filmszene aus „Herr der Ringe: Die Gefährten.“

Die beiden Wächter bewachen die Grenze zwischen Gondor und Mordor…

Sie sagen mit Ihrer Geste „STOP!!“ und gleichzeitig sagen sie auch „sei gegrüßt…“

Obwohl die Wächter nur aus Stein sind, strahlen sie Macht, Autorität und Strenge aus. Eine gewaltige Warnung an jeden, der an ihnen vorbei will.

 

Wusstest Du, dass Miss Moneypenny eine Schwellenhüterin ist? Sie bewacht in den James Bond-Filmen den Eingang zu „M“…

Moneypenny ist mit Abstand die freundlichste, am besten aussehendste und humorvollste Schwellenhüterin im Universum. 

Doch täusche dich nicht! Auch Moneypenny ist eine strenge Schwellenhüterin, und sie hat eine wichtige Funktion: Nicht jeden durchzulassen.

Nur ein Held, der den Schwellenhüter überlistet – oder ihn gnädig stimmt – darf die Schwelle passieren.

 

Hier 6 Schwellenhüter, die mir im Laufe jenes Tages begegnet sind:

(jeder einzelne hätte mir einen Strich durch die Rechnung machen können)

 

Nummer 1: Die deutsche Airport Security in Tegel.

Kaum lief mein Handgepäck durch den Scanner bat mich ein Herr diskret, ihm zu folgen.

Er schnappte mein Handgepäck und lief mit mir einen halben Kilometer ans andere Ende des Flughafens in einen Raum.

Dort packte er die Tasche aus. Ich stellte keine Fragen, mir war klar worum es ging. Warum zum Geier hatte ich eine Kamera, einen Laptop und so viele Kabel, Akkus und überhaupt so viele „Technik“-Dinge da drin?

Der Security Mensch wollte es nicht mal wissen, er sprach nicht, er machte nur schweigsam einen „Abstrich.“ Er wischte meine Geräte mit einem Lappen ab und steckte diesen dann in einen Analysator.

„Wir untersuchen auf Sprengstoff.“

Ein bisschen stolz hat mich dieser Satz schon gemacht.

Und auch etwas beschämt, weil ich keinen dabei hatte.

 

Nummer 2: Der kleine Einreise-Zettel zusammen mit meinem Besucher-Pass

Wenn man im Flugzeug nach Amerika sitzt, kriegt man einen Zettel, wo man sich erklären muss. Wohin man denn genau reist, warum, wie lange, ob man ein Rückreiseticket hat, ob man Drogen schmuggelt, den Präsidenten ermorden will und eine Waffe im Koffer versteckt hat.

Kreuzt man hier aus Spaß etwas falsches an, wird man sofort ins Rückflugzeug gesetzt. Kein Witz.

 

Nummer 3: Der amerikanische Einreise-Beamte in New York.

Da sind sie nun:

16 lange Warteschlangen nebeneinander, hier in dieser New Yorker Flughafen-Halle, und sie laufen auf 16 US-Zollsoldaten zu…

Durch die hohen Glasfenster an der Seitenfront sieht man am Horizont die Skyline von Manhattan.

Sie sieht winzig aus von hier, kein echtes Fotomotiv, und man traut sich sowieso nicht, hier in dieser sensiblen „Sicherheits-Umgebung“ auch nur ein einziges Foto zu machen…

Man fällt HIER am besten nicht negativ auf, denn wir befinden uns im Reich der unbarmherzigen Schwellenhüter…

In jedem Reiseführer wird vor diesen Beamten gewarnt. Er entscheidet, ob du reindarfst in die USA oder nicht. Nur er.

Ich nahm Schlange Nummer 13, betend dass sie nicht zubeißt. Ich hatte immerhin Absinth im Koffer, und der war nicht in jedem Bundesstaat legal.

Endlich war ich dran.

„What’s the purpose of your stay?“

„Vacation.“

Der Beamte durchschaute mich mit einem einzigen Blick…

Mir fiel ein, dass ich mal las, man solle sich immer beim anderen Geschlecht anstellen – das erhöhe die Chancen des Durchkommens.

Auf deutsch: Männer sollen sich von Frauen kontrollieren lassen, und Frauen von Männern – wegen der natürlichen Hemmung dem anderen Geschlecht zu nahe zu treten.

Du glaubst ich übertreibe mit meinen Befürchtungen? Dann warst du noch nie in Amerika.

Die Berliner Zöllner mögen zwar großmäulig und unhöflich sein, aber wenn man dort ohne Pass ankommt, dann telefonieren sie ein bisschen rum, belehren dich kurz und dann erklären sie Dir den Weg zur U-Bahn stadteinwärts.

Das wird Dir in New York nicht passieren.

Stempel drauf.

 

Nummer 4: kein Schwellenhüter, aber eine Ohrenschelle von der Höheren Gewalt

Auf dem Weiterflug von New York nach San Francisco gönnte ich mir (für 20 Dollar) den Spaß, den kleinen Monitor in der Rücklehne des Sitzes vor mir zu bezahlen…

… dafür dass er mich die nächsten 7 Stunden lang NICHT mit Werbung zuballert, sondern mit etwas Sinnvollem rüberkommt…

… zum Beispiel mit NBC.

Das ist einer von den vielen US-Nachrichten-Sendern, die quasi tagein tagaus nur Herolde zu Wort kommen lassen – Politik-Herolde, Sport-Herolde, Börsen-Herolde – Unmengen von Herolden, die uns immerzu das Allerneueste erzählen.

Wow.

Irgendein NBC-Herold tauchte plötzlich auf und posaunte eine BREAKING NEWS:

jobs

„Steve Jobs resigns as CEO of Apple.“ (Steve Jobs tritt als Apple-Chef zurück)

 

Gott, warum?

Ich wollte doch zu Apple fahren und etwas über Steve Jobs erzählen! Und jetzt ist er nicht mehr bei Apple?

Das war zwar irgendwie unfair und „Pech“.

Aber keine echte Schwelle.

 

Nummer 5: Meine Kreditkartenfirma (again!)

Am Autoverleihpunkt des San Francisco Flughafens zog der Verleiher meine Kreditkarte durch den Leser, und nix passierte.

Dreimal gab es nur roten Alarm.

„Sir, haben Sie im Flugzeug etwas gekauft?“

Ja, CNN und so, warum?

„Weil Sie in der Zeit zurück geflogen sind!“

Holy Shit !

Ich habe um 18 Uhr New (Atlantic Time) etwas gekauft, und wollte jetzt um 17.30 Uhr (Pacific Time) wieder was kaufen, und der Kreditkarten-Computer hielt das für Betrug weil ich am gleichen Tag nach dem Kauf um 18 Uhr eben laut den Gesetzen der Physik nichts mehr um 17.30 Uhr kaufen kann!

„Das kommt oft vor bei europäischen Kreditkarten, Sir…“

Na das tröstet nicht unbedingt.

Gut dass ich eine zweite Karte dabei hatte. Sonst hätte ich 20 Stunden warten müssen bevor ich mein Auto bekommen hätte.

 

Nummer 6: Apropos Auto…

Im Auto selbst war der letzte fiese Schwellenhüter versteckt. Er nannte sich „Automatik-Schaltung.“

Ich rannte im Parkhaus herum und trieb einen Putzmann auf, der sich bereit erklärte, sich an mein Steuer zu setzen und mir mit fettem mexikanischen Akzent Dinge zu erklären, die jeder 12jährige Amerikaner weiß.

Der Wikipedia Artikel zum Thema Automatik ist übrigens 38 Seiten lang und erklärt nicht mit einer Silbe, wie man damit fährt.

Das Herausnavigieren aus dem Parkhaus direkt auf die Autobahn war wie zum ersten mal Auto fahren.

Und schon nach 30 Kilometern auf dem Highway schaltete ich völlig geistesabwesend vom 4. in den 5. Gang – in Wahrheit aber von „Fahren“ auf „Parken“, und mein riesiger Ford SUV bremste abrupt auf 30 km/h runter, bevor ich kapierte, was los war.

 

Nur noch Echo

Es folgten noch weitere „Mini-Schwellen“ in den nächsten Stunden:

  • der plötzliche Nebel in San Francisco (er bewachte die weltberühmte Brücke auf heimtückische Art, indem er sie versteckte)
  • die Maut-Leute an der Brücke (gut dass ich ein paar Dollar in bar dabei hatte)
  • das plötzliche Gefühl verkatert und übermüdet zu sein (ich war tatsächlich aufgrund von Schlafmangel überreizt, das alles war einfach zu aufregend)
  • die Schilder, die sagten „wer hier geblitzt wird, zahlt doppelt“ (double fine zone) (sie standen gleich neben den „70 mph“-Schildern auf der Autobahn – also 70 Meilen pro Stunde erlaubt, ca. 105 km/h, halleluja)
  • das fehlende GPS-System (ich hatte ja eine Landkarte, allerdings war die nicht fein genug, so dass ich eine Stunde am Zielort Sebastopol herumirren musste, um die richtige Straße zu finden)
  • das tote Handy (die Amis nutzen ein völlig anderes Netz mit anderen Frequenzen…)
  • das kaputte Knie (das schmerzt nun seit den Dolomiten, selbst beim Gas geben)
  • der Jetlag

Diese ganzen kleinen Ärgernisse sind aber keine Schwellenhüter mehr, sie sind eher deren Echo, das mich noch eine Weile begleitete, bis ich im „sicheren Hafen“ von Sebastopol ankam – dem ersten Stop meiner Goldrausch-Reise.

 

Man kann auch sagen: die ersten Prüfungen, die der Held in der anderen Welt zu bestehen hat, haben bereits begonnen.

Es sind zum jetzigen Zeitpunkt nur kleine, mickrige Prüfungen (für Anfänger), und diese verblassen angesichts der Prüfungen, die vor ihm liegen, und von denen der Held noch keine Ahnung hat.

Denn wir sind im 2. Akt angekommen. Der erste Akt ist vorbei. Die große Eintritts-Schwelle liegt nun hinter dem Helden, vor ihm liegt die neue, unbekannte Anderswelt, mit seinen seltsamen Bewohnern, seinen bizarren Landschaften und seinen anderen Gesetzen.

Vor dem Helden liegt der „Pfad der Prüfungen.“ Es ist sein ganz individueller Weg. Das Schicksal hat sich diesen Pfad nur für ihn allein ausgedacht…

Für einen Außenstehenden (die „zu-Hause-Gebliebenen“) sieht es übrigens jetzt so aus, als wäre der Held von der Bildfläche verschwunden.

Als wäre er in einen dunklen Abgrund hineingesogen worden, so als wäre er verschluckt worden.

Von einem gewaltigen Walfisch…

Bald wird der Held wieder ausgespuckt, und er wird nicht mehr derselbe sein… falls er das Abenteuer überlebt.

Darüber erfährst du mehr in den nächsten Kapiteln.

Tim

 

PS: Hier ein kleines, nettes, irrelevantes, bisher nicht gezeigtes Goldrausch-Video über „Nummern“:

 

Und jetzt zu etwas vollkommen anderem.

Kommen wir zuDie Macht des Hakens…“

Meine erste gedrehte Filmaufnahme (Nebel) sollte natürlich nicht die erste Szene meiner Serie werden.

(Bis ich die „echte“ erste Szene der Serie im Kasten hatte, würde noch eine ganze Woche vergehen.)

Für die erste Szene der Serie hatte ich nämlich einen „Haken“ geplant (einen „Hook“ – bitte diesen Begriff abspeichern).

Ein Hook ist wie ein Angelhaken. Er verbirgt sich unter dem Köder, und wenn der Haken „zuschlägt“, hängt der Fisch an der Angel und kann nicht mehr weg.

Das gleiche gilt auch für gute Filme, gute Serien, Texte, Webseiten, Geschichten: Am Anfang wirst du immer einen Haken finden, der so gut getarnt ist, dass du ihn nicht mitkriegst. Du siehst nur den Köder.

Ein Hook funktioniert klassischerweise mit einer Musterunterbrechung, also mit einem Verhalten oder Sachverhalt, der die übliche Routine des Zuschauers komplett „verstört“.

Hier mein Standardvideo zur Erklärung einer Musterunterbrechung – bitte angucken, dauert 30 Sekunden.

Die Aktion war vollkommen regelkonform!

Nur hat niemand damit gerechnet, also wusste auch niemand wie man sich verhalten soll. Die Gegenspieler waren so verdattert, dass sie den Köder schluckten und sich an die Angel nehmen ließen.

Dieses „Verdattern“ ist ein Werkzeug. Nicht immer kann man Leute innerhalb von 2 Sekunden verdattern, aber es ist immer einen Versuch wert.

Die Werbeindustrie macht den ganzen Tag nichts anderes, als Musterunterbrechungen zu kreieren… und ich tue das auch. Ich tue das in meinen Mails (vor allem in der Betreffzeile, wo dann stehen könnte: „Man hat mich heute eingeliefert“ und schon ist man verdattert und muss man diese Mail zu Ende lesen, oder?)

Alle meine Goldrausch-Epsioden haben am Anfang immer einen kleinen Hook. Denn wer beim Publikum Verwirrung stiftet, macht es beeinflussbar… und das ist immer mein Ziel.

Ich will das Publikum nicht in Ruhe lassen, ich will es packen oder provozieren oder verführen oder inspirieren. Also muss ich es beeinflussen, wie ein Hexenmeister eben.

In jedem meiner Verkaufstexte ist ein Hook zu finden. Meine Verkaufsüberschriften sind auch kleine Hooks… und ja, ich baue diese Dinger absichtlich.

Mein bestes Beispiel für eine „verstörende“ Überschrift stammt von meiner ominösen Subliminals-Seite: Wie Sie auf unerhörte Weise mit lautlosen Botschaften…“ 

(Der Rest der Überschrift ist egal, man ist bereits gefangen genommen…)

 

Du kennst die AIDA-Formel? Attention-Interest-Desire-Action… 

Das erste A in der AIDA-Formel ist nichts anderes als ein Hook.

Jeder meiner Verkaufstexte und Verkaufsemails ist gemäß AIDA aufgebaut:

  • Am Anfang muss ich beim Leser Attention/Aufmerksamkeit erhaschen, am besten mit einer Musterunterbrechung, also mit einem Hook.
  • Danach fessele ich sein Interest/Interesse durch erstaunliche Fakten.
  • Als nächstes steigere ich sein Desire/Verlangen, mehr erfahren oder sogar kaufen zu wollen.
  • Und schließlich rufe ich klar und deutlich zu einer Action/Handlung auf: entweder eine Email-Adresse hinterlassen, Feedback geben, oder sogar etwas direkt zu kaufen.

Diese Formel ist fundamental, sie gilt immer und es lohnt sich, das Thema AIDA mal zu googeln und umzusetzen.

Ein Drehbuch zu schreiben (genauso wie Verkaufstexte zu schreiben) bedeutet Kontrolle über das Publikum zu übernehmen.

Und zwar von Anfang an. Mit der ersten Szene (im Film) oder mit der ersten Zeile (im Verkaufstext).

Deswegen ist die erste Szene (bzw. der erste Satz bzw. die Überschrift in einem Verkaufstext) von allerhöchster Bedeutung und Wichtigkeit.

Sie darf nicht beliebig sein, und man darf sie nicht dem Zufall überlassen. Sie muss etwas mit dem Zuschauer anstellen – am besten sollte sie ihn verwirren.

Ich meine Verwirrung nach dem Motto: „Na hoppla, na das ist ja unerwartet! Da muss ich jetzt unbedingt weitergucken um zu sehen, worum es hier geht.“

Deswegen kannte ich meine erste Filmszene bereits, bevor ich überhaupt das Drehen anfing.

 

Das Drehbuch für meine 1. Szene sah so aus:

Man sieht mich.

Ich sage: „Als ich klein war, hat man mir beigebracht, Amerika zu hassen.“

Und dann würde ich lächeln und zu verstehen geben, dass ich gerade in Amerika bin.

Und dann würde schon die Intro-Musik mit dem Vorspann kommen.

Fertig.

 

An dieser Szene habe ich lange herumgedreht: Siehe die Videos am Anfang jedes Heldenreise-Kapitels. 

Es war die einzige Szene des gesamten Goldrausches, die ich wirklich vorher festgeschrieben und geplant hatte.

Ich schwöre!

 

Noch ein Wort zu den Figuren (a.k.a. „Die Archetypen“)

Alle Figuren (Archetypen) sind ein Teil des Helden. Sie repräsentieren Anteile seiner Persönlichkeit, seiner inneren Welt.

Das Unterbewusstsein des Helden „erschafft“ diese anderen Figuren, und das Schicksal stellt sie dem Helden dann „in echt“ vor die Nase (so wie man ihm einen Spiegel – oder Zerrspiegel oder ein Zauberkunststück – vor die Nase hält).

Diese Figuren braucht jede Heldengeschichte aus 3 Gründen:

1. Um den Helden zum Reflektieren zu zwingen.

2. Um dem Helden Weisheit und Erkenntnis zuteil werden zu lassen.

3. Um Bewegung in die Geschichte zu bekommen.

Die Figuren sind nur Funktionen. Sie sind da, damit der Held auf sie reagieren kann.

Das wirklich interessante daran ist ja, dass es sich wirklich um Teile des Helden handelt, und dass sie ein Eigenleben entwickeln.

So ist zum Beispiel der Ratgeber die personifizierte Weisheit des Helden. „Vertraue der Macht, Luke.“

Der Herold ist da, um den Helden auf etwas Neues hinzuweisen: „Es ist etwas passiert…“

Und der Schwellenhüter ist die kritische Stimme des Helden, die ihn ständig selber in Frage stellt: „Warum willst du ausgerechnet nach Amerika, wo du nichts verloren hast?“

 

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