Der 8. Schritt


Die schlimmste und höchste aller Prüfungen


Baby,

nun betreten wir die Sphäre der Götter und der Fabelwesen.

Wir durchqueren hier die heiligsten Bezirke, wagen uns dorthin, wo es am gefährlichsten ist, und wo der menschliche Verstand aufhört, die Dinge zu begreifen, wo nur noch Instinkt und Intuition und innere Kraft zählen, wo man mit Wissen und Logik nicht weiterkommt.

Es ist eine Sphäre voller Symbole – und Symbole sind immer vielfältig und zwiespältig.

Wir sind mitten im 8. Schritt der Heldenreise, wir sind im Herrschaftsbereich des Schattens angekommen.

Der Weg war lang und steinig, seit der Held dem Ruf des Abenteuers gefolgt ist. Und nun hat ihn die Vorsehung (oder sein Karma oder seine DNA) an einen seltsamen Ort geführt, mitten in der Anders-Welt, wo die größte Bewährungsprobe bereits auf ihn wartet…

Oft scheint es dem Helden jetzt so, dass alle um ihn herum Bescheid wissen, nur er selbst nicht. Gibt es ein bedrohlicheres Gefühl?

Joseph Campbell hat diese Phase der Heldenreise in mehrere Sequenzen unterteilt: Es heißt bei ihm „Der Held wird vom Pfad weggelockt“ und „Die Versöhnung mit dem Vater“, und auch „Das Zusammentreffen mit der Göttin“ und „Gottwerdung des Helden.“

Christopher Vogler hingegen fasst diese vier Schritte Schritte zusammen und nennt es „Höchste Prüfung“.

Wieder einmal treffen beide Konzepte auf meine Reise zu.

Auch ich wurde weggelockt, treffe auf die Göttin, und versöhne mich mit dem Vater und werde quasi zum Gott, und auch ich habe jetzt die höchste (und schlimmste) Prüfung meiner Reise zu bestehen.

Doch Achtung: Wo Götter auftauchen, diese unsterblichen Wesen des Himmels, dort geht es immer auch um Sterblichkeit.

So auch hier.

Lies bitte weiter.

Etappe 8 – Die wichtigste Prüfung

Es geht nun um Leben und Tod: Wenn der Held seine größte Angst nicht überwindet, muss er scheitern oder sogar sterben!!

Das unerbittliche Schicksal hat hier das letzte Wort.

Wird der Held scheitern? 

Nicht jeder Held hat das Glück, in seiner Entscheidungsschlacht einem echten Drachen in dessen Höhle gegenüberzutreten, so wie damals der germanische Siegfried.

Manch Held hat es mit viel subtileren, unsichtbaren Gegnern zu tun…

Doch jeder Held hat sich irgendwann seinem Schatten zu stellen, seiner größten Angst, dem schrecklichsten aller Wesen.

Ob der nun ein Drachen ist, oder der „Joker“, oder „Darth Vader“ in Star Wars, oder Agent Smith in „Matrix“ oder Goldfinger in einem James-Bond-Film ist dabei völlig egal.

Kennst du den Film „Kampf der Titanen“?

Dort muss der Held Perseus die Medusa (mit den Schlangenhaaren) töten und ihr den Kopf abschneiden. Die Medusa haust in einer Höhle, wo die ganzen Gerippe gescheiterter Helden herumliegen, und auch versteinerte Statuen von Helden, die noch nicht zu Staub verfallen sind.

Im Film „Titanic“ ist die höchste Prüfung tatsächlich die Kollision mit dem Eisberg, der aus dem Nichts (aus seiner dunklen Höhle) auftauchte und „zubiss“. Dies passiert im Übrigen, als die beiden Liebenden in ihrer „Liebes-Höhle“ (Kutsche) den Liebesakt vollführen – auf der Flucht vor dem wütenden Ehemann.

Der Liebesakt ist ja immer auch die Höchste Prüfung für eine neue Liebe, alles steht und fällt mit dem erfolgreichen oder erfolglosen ersten sexuellen Akt – stimmt’s?

In „Star Wars“ ist die Höhle des Löwen natürlich der Todesstern. Dort wartet das Schicksal in Form von Darth Vader, dem dunklen Lord…

Im Film Avatar entspricht die höchste Prüfung dem Moment, wo der Held nach zwei Dritteln des Films „seinen“ Flug-Drachen zähmen muss (er muss sich in Wahrheit mit ihm „connecten“, ihn also zu einem Teil von sich machen…).

In „Gladiator“ ist natürlich Rom die Höhle des Löwen, und das Kolosseum ist die innerste Höhle innerhalb der großen Höhle. Und selbst im Kolosseum gibt es die Katakomben, und darin wiederum einzelne Zellen. Die Höhle in der Höhle in der Höhle in der Höhle…

Wahnsinn, oder?

Es ist kein Zufall, dass der Gladiator Maximus genau dort im Kolosseum auf die Schergen des Schattens trifft – und bald auch auf den Schatten selbst – den Kaiser!

Die höchste Prüfung für Maximus besteht im Kampf gegen römische Profi-Gladiatoren, gegen Löwen, gegen Wagenlenker und ihre scharfen Messer an den Rädern…

Im Film „Matrix“ muss Neo zusammen mit Trinity in das von bösen dunklen Schwellenhüter-Agenten bewachte Gebäude eindringen und Morpheus aus der Folterhöhle des bösen Schattens namens Agent Smith befreien.

Im Märchen Dornröschen findet der Held auf dem Weg zur Prinzessin ebenfalls Skelette in den Dornen hängen… es ist dies der Moment der Entscheidungsschlacht dieses Märchens, die letztlich mit einem Kuss gewonnen wird.

Die Höhle ist hier das Innere des Schlosses, und der Schatten ist der 100jährige Fluch, und die Rosen sind die Schwellenhüter.

 

Meine Wenigkeit hatte es nicht mit Flüchen oder Drachen oder anderen Gegenspielern zu tun, sondern nur mit einer „inneren Blockade“, also mit einem Gegenspieler der unsichtbaren Sorte.

Das ist typisch vor allem für Autoren.

Jeder Autor, der gerade einen Roman oder einen Film oder ein Theaterstück oder ein Lied schreibt, durchleidet ebenfalls eine (innere) Heldenreise. Man nennt es die „Reise des Autors“…

Diese folgt dem gleichen Schema: Call to Action, Schwellenüberschreitung, Konflikt mit dem Schatten (Schreibblockaden drohen jederzeit und überall!), Flow-Erlebnisse, Rückzugsgefechte, kein Ende finden, Auferstehung.

Allerdings passiert diese Reise nur im Kopf und in der Seele des Autors. Er fährt nicht extra irgendwo hin. Dennoch kann auch diese Pseudo-Reise tödlich ausgehen. Wenn der Autor nicht aufpasst kann er auf seiner Reise alles verlieren…

Ich für meinen Teil war halb Autor, halb Held. Also ein Hybrid, genauso wie mein Auto.

Die Aufgabe war, Filme zu drehen (also: Autor zu sein!).

Die Reise war eigentlich nur Teil des kreativen Prozesses. Meine Reise war also eher eine innere, obwohl es für alle Goldrausch-Zuschauer nach einer äußeren Reise aussieht.

Faszinierend, oder?

(Übrigens: Auch hier beim Verfassen des „Making of“ erlebe ich wieder eine „Reise des Autors“. Am Anfang machte ich mich mit Schwung auf den Weg, und dann fingen die Hindernisse an… und auch ein neuer Schatten ist aufgetaucht, natürlich!)

In einem früheren Kapitel zählte ich eine Skype-Adresse zu meinen Zauberwaffen.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen zu enthüllen, was es damit auf sich hat…

Ich saß also in der Hilton-Lobby und skypte mit: Rob.

 

hilton

Blick aus der Hilton-Lobby. Schöner Pool, dahinter der Golfplatz, dahinter Pazifischer Ozean. Nach Baden war mir nicht zumute, denn ich …

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…sah ja sowieso schon aus wie ein begossener Pudel: Tim in der Lobby, in sein Laptop guckend, auf Skype wartend. Man beachte den traurigen Blick, die unsichere Geste (Hand am Hinterkopf/Ohr). Offenbar war ich nicht selbstbewusst. Kein Wunder! Ein „Loser“ sitzt in einem der teuersten Hotels der Welt.

Es war bereits wieder ein Tag später.

Am Vortag hatte ich die 600 km abgerissen, und bis von Mariposa bis fast an die mexikanische Grenze gefahren.

Abends zuvor hatte ich mich dann im Hilton eingenistet, und war dann noch kurzerhand nach San Diego gedüst, einfach um mal wieder Stadtluft zu atmen und zu gucken, wie diese Stadt aussieht.

Dann wieder zurück, ein bisschen in La Jolla herum gefahren, die großen Shopping Mals ausfindig gemacht, im Whole Foods Supermarket Essen gekauft, damit zurück ins Hotel und ab ins Bett.

Natürlich habe ich mal wieder keine einzige Minute an Film gedreht.

Schon eine Woche hier in Kalifornien, und…

Am nächsten Tag dann direkt um 11 Uhr Skype angemacht, und da waren wir – Rob und Timmy: mit 9 Stunden Zeitunterschied live und digital über den Atlantik verbunden.

 

rob-nick

Links, das ist Rob. Rechts, das ist… keine Ahnung 🙂

 

Ich sagte Rob, dass ich das Goldrausch-Projekt aufgeben wollte.

Rob sagte:

„Okay. Vielleicht funktioniert es wirklich nicht. Aber…“

„Sag ich doch, es kann nicht funktion…“

„ABER“ unterbrach mich Rob, „ABER DAS entscheiden wir bitte erst, wenn du zurück bist. BIS DAHIN filmst du bitte ab jetzt alles. ALLES, Timmy.“

Ich schwieg.

„Tu es für DICH, Timmy. Du erfüllst Dir gerade einen Traum dort. Also dokumentiere es. Scheiß auf alle anderen. Auf die Amis, auf deine Zuschauer, auf die anderen Marketing-Gurus, auf alle! Filme ab sofort alles, auch wenn du auf dem Klo sitzt…

„Meinst Du?“

„Ja, und fang an zu reden. Sag was. Sprich mit der Kamera. Stell dir vor du machst deinen Film für deine Kinder und Enkelkinder, und darin erklärst du ihnen alles was du weißt. „Could you please stop taking yourself so fucking seriously?“

Man muss wissen, Rob ist Kanadier, und er kann gut englisch.

„Mein Akku ist ständig leer…“

„Ey du Pappnase, du hast schon 3.000 Euro ausgegeben und heulst nun herum, weil dein Akku leer ist? Steig sofort ins Auto und nimm 500 Dollar mit und kauf dir den Scheiß! Das ist Amerika, das kriegst du überall!!“

„Ja, aber…“

„Fick Dich, hör auf mit Aber-Aber! Steig in dein Scheißauto, und besorge dir deine Akkus und Scheiß-Ladegeräte und Sticks und Batterien und zwar sofort. „

„Na gut.“

„Und lass die Scheißkamera dabei laufen!“

Das tat ich.

Es war die Lösung, es änderte bald alles.

Habe ich schon erwähnt, wie wichtig ein bester Freund ist?

Ohne besten Freund kann niemand auf der Welt ein Goldrausch-Projekt durchziehen…

„Rob, hier kann man Paragliding und Drachenfliegen.“

„Machst Du’s?“

„Vielleicht. Mal gucken.“

„Bis bald, Timmy.“

Ich stieg ins Auto und fuhr zur Shopping Mall…

 

Wie man sieht, habe ich jetzt direkt angefangen, los zu plappern und mich dabei zu filmen.

Als erstes habe ich erstmal über mich selbst gelästert, und über meine Unfähigkeit. Amüsanter Selbsthass ist eine meiner Spezialitäten.

Dann habe ich kommentiert, was mir gerade durch den Kopf ging, und dann habe ich einfach weitergeredet…

Mir fehlte noch Akkus. Gaaaaaanz wichtig. Also machte ich mich auf zum nächsten Shopping Centre.

Und redete einfach weiter. Und redete und redete ohne Pause vor mich her, in die laufende Kamera hinein ———

Ich laberte mir alles von der Seele, ich löste meine Zunge, ich fand meine Stimme, meine Sprache.

Ich redete mich frei!

So etwas kam dabei heraus:

(Ich habe den folgenden irrwitzigen Filmauszug etwas beschleunigt, und mir eine MickyMouse/Helium-Stimme verpasst, damit dieses Heiße-Luft-Laber-Video wenigstens etwas etwas erträglicher ist)

 

 

Und dort bei Shopping Mall Nummer 2 kaufte ich die fehlenden Canon-Akkus. Noch mal 150 Dollar hat es gekostet! Eine Sauerei, aber gut investiertes Geld…

Wie man außerdem hört, war ich nun angepiekst. Ich laberte und laberte.

Je mehr ich laberte, desto lockerer wurde ich, und desto scheißegaler wurde mir, dass ich mich lächerlich machen könnte.

Ich gab einfach nach und nach mein „Ego“ auf. Es war eine schwere Aufgabe… weil es auch ein schweres Aufgeben war.

Wenn ich heute schreibe „Ich bewältigte meine Aufgabe endlich“ dann meine ich tatsächlich, dass ich endlich wirklich aufgab: mein Ego, meine Angst, meinen Stolz. Ich gab die innere Blockade auf. Ich gab alles auf.

Und ich kam gut klar mit dieser Art von Aufgabe – die ein Aufgeben war.

Ich finde diese Doppelbedeutung von „Aufgabe“ äußerst wichtig, mein lieber Leser!

Man stelle sich das vor: Ich hatte mir die ganze Zeit über eingeredet meine Aufgabe wäre es, Kalifornien gut zu finden. Als ich aufgab, Kalifornien gut zu finden, sondern so, wie es wirklich ist, war meine Aufgabe erfüllt 🙂

Meine Aufgabe war das Aufgeben…

(Das war gerade der entscheidende Satz!!)

Kapiert?!

Nachdem der Knoten endlich geplatzt war, und ich mehrere Stunden reinstes doofes Gelaber auf die neuen Memory-Sticks gefilmt hatte, fing ich an „in Locations zu denken“.

Die Leitfrage war ab jetzt:

„Wo fahre ich als nächstes hin (zu welcher location), und was könnte ich dort in die Kamera erzählen, solange es mir scheißegal ist, was irgendjemand davon hält?“

Und weil ich jetzt hier auf dem Highway gerade in die Kamera erzählte, dass ich im Hilton wohne, neben einem Golfplatz, fiel mir spontan mein erstes Golferlebnis ein.

Also fuhr ich vom Highway direkt zum Golfplatz und erzählte dort mein erstes Golf-Erlebnis. Das war super, weil ich dort nicht auf Menschen traf…

Bei allen meinen Videos bisher (2 x Yosemite, 1 x Mariposa, 1 x Golfplatz La Jolla, der Rest im Auto gedreht) konnte man sehen, dass ich mich immer in sicherer Entfernung zu Menschen aufgehalten habe, so dass mir keiner beim Filmen zu nahe kommt.

Die Angst vor der Kamera war also verflogen. Es blieb noch die Angst vor den Menschen dort…

Beim nächsten Video änderte sich das. Ich war schon ganz zufrieden mit dem Golfplatz-Video, und weil ich jetzt heißgelaufen war, wollte ich sofort weitermachen.

Bei Sonnenuntergang raste ich zum Torrey Pines Park am anderen Ende des Golflatzes, bezahlte ohne mit der Wimper zu zucken 10 Dollar für 15 Minuten Parken, zog triumphierend mein volles (!) frisches (!!) Akku vom Zigarettenanzünder-Stromadapter-Stromwandler-Ladegerät-Konstrukt und lief mit Kamera, Angel und Mikro einfach los.

Da sich die Sonne senkte, hatte ich keine Zeit, mich an einen einsamen Ort zu flüchten. Ich verkabelte mich im Gehen, und fing bereits an zu reden.

Und weil ich dann plötzlich bergan lief, assoziierte ich frei: „bergan, bergab –> Absturz, Hartz IV, alles klar –> ich erzähle jetzt meine Hartz IV Story“… ohne Drehbuch, ohne Probe, ohne Üben, wozu denn auch? Es ist eine wahre Geschichte!

Wahre Geschichten brauchen kein Drehbuch 🙂

Oben im Park lief ich alle 100 Meter an echten Menschen vorbei, die dort joggten oder einander abknutschten, und in meinem Kamera-Monitor konnte ich sehen, dass sie sich hinter meinem Rücken umdrehten nach mir – um zu sehen, was ich da mache.

Und dann passierte das Wunder: Niemand störte sich an mir!

Toll.

In diesem Park lieferte ich also meine große mutige „Beichte“: dass ich nämlich vor gar nicht allzu langer Zeit rückenkrank war – und beruflich praktisch gescheitert. Eine wichtige Video-Episode…

 

Und dann biss mich die Schlange. 

Jedenfalls bildete ich mir das kurz ein. Ich filmte einfach weiter. Sollte man doch auf dem Stick ruhig meinen Tod finden! Jeder der diese Episode gesehen hat, weiß dass ich ziemlich verunsichert und kreidebleich war.

Aber es war kein Biss. Obwohl überall Warnschilder mit Klapperschlangen drauf zu sehen waren…

Schlange: sie erzeugt Angst, ist aber auch das Symbol für Weisheit und Heilkunde; verführte Eva, damals im Garten Eden…

Wie ich bereits sagte: Der Held befindet sich nun in höchst bedrohlichen Gefilden, selbst vor Halluzinationen ist er nicht gefeit… auch sie gehören zur Sphäre der Götter…

Auch wenn er gerade die entscheidende Schlacht zu gewinnen scheint, er kann jeden Moment sterben, unverhofft, einfach so!

Nachdem ich im Hotel noch einmal gründlich meinen Fuss untersucht hatte und 10 Artikel zum Thema Klapperschlangenbiss gelesen hatte, war mir wieder wohler, und ich filmte mich dabei, wie ich mich kämmte, wie ich meinen Autoschlüssel schnappte, die Dollars krallte, den Reiseführer in die Tasche warf und in die Nacht fuhr…

…um durch San Diego zu fahren, wo ich mein Apple-Papa-Video drehte. Und es war genauso spontan wie davor.

„Okay, hier ist also die Skyline von San Diego… Was weiß ich über San Diego?“

Und dann erzählte ich noch die Apple-Story. Und von meinem Vater.

Zufall?

Laut Campbell bestimmt nicht: „Versöhnung mit dem Vater“ stand bei ihm genau an dieser Stelle auf dem Heldenprogramm. Es gibt keinen Grund, warum dass bei mir anders sein sollte…

Wichtig: Den Apfel-Computer, von dem ich damals in dem Video erzählt hatte (mein erster iMac) habe ich inzwischen an einen meiner Kunden verkauft. Ich habe 350 Euro dafür bekommen – für ein 3jähriges Gerät! Das soll mir mal einer mit einem PC nachmachen…

Fakt ist: Der Apple hat neu 950 Euro gekostet. Verkauft für 350 Euro. Macht 600 Euro tatsächliche Kosten. Verteilt auf 3 Jahre macht das 200 Euro pro Jahr. Also 20 Euro pro Monat.

Wer das Immer noch zu teuer findet, dem ist nicht zu helfen.

Leute die sich alle zwei Jahre einen neuen PC kaufen müssen, zahlen unterm Strich mehr. Und nehmen freiwillig Viren-Angriffe in Kauf, außerdem Dinge wie „Ausnahme-Fehler 334“ und das umständlichste Betriebssystem aller Zeiten.

Merke: Wer teuer kauft, kauft einmal („investiert“).

Wer billig kauft, kauft zweimal.

–> Ich kann mir billig nicht leisten.

So einfach ist das.

Als ich ins Hotel fuhr, war ich einigermaßen aufgewühlt. Allein an jenem Nachmittag hatte ich 3 richtige Videos gemacht!

Es sprudelte!

 

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Aphrodite. Auch Venus genannt. Auf sie kommen wir gleich zu sprechen. Lies weiter.

 

Am nächsten Morgen fand ich mich so früh es ging am La Jolla Beach ein – so gegen 10 Uhr.

Ich hoffte, auf ein paar der Marketing Gurus zu treffen. Natürlich war keiner da, dafür aber viel Nebel.

Also machte ich mich wieder davon und fand mich kurz darauf am Gliderport ein, also dort, wo die Drachenflieger über die Klippe springen.

Doch auch an der Klippe war noch Nebel – und noch nix los.

Also tat ich etwas wirklich Wichtiges: Ich filmte meine ERSTE SZENE DER SERIE.

Du erinnerst dich? Meine erste Szene würde der HOOK sein, der einzige Satz, der in meinem Drehbuch stand:

„Als ich klein war, hat man mir beigebracht, Amerika zu hassen…“

Ich beschloss, diese Szene hier und jetzt anzugehen, auf dem riesigen Parkplatz des Gliderports, der noch leer war um diese Uhrzeit.

Es dauerte 1 Stunde, dieses Satz so zu filmen, dass ich wirklich glücklich damit war. Danach hatte meine Nase einen Sonnenbrand.

Die Evolution meiner Qualen hast du ja bereits zu Beginn jedes Kapitels als Fortsetzungs-Video gesehen. Die Evolution geht noch ein paar Kapitel weiter, versprochen. 

Fest stand: die erste Szene musste gut gefilmt werden, so dass der Bildausschnitt nicht zu viel und auch nicht zu wenig zeigte, und dass man das Nummernschild mit dem kleinen roten Schriftzug „California“ gut lesen konnte.

Ich probierte viel rum, machte Dutzende Anläufe, positionierte die Kamera und mich neu, bis ich am Ende eine interessante Haltung einnahm. Auf dem Boden im Dreck liegend, den Kopf aufgestützt, mit geschlossenen Augen.

Soviel kann ich aber schon verraten; Der entscheidende Durchbruch für das Gelingen dieser Szene war, die Brille abzunehmen, mich zärtlich in den Parkplatz-Staub zu legen, und die Kamera (und damit die Zuschauer) wirklich dicht (also nah, auch emotionell nah) an mich heranzulassen.

Erst dann hatte diese Szene endlich genug Kraft, um zu fesseln. Es war also ganz offensichtlich keine Szene, die man so einfach im Vorbeigehen produzieren konnte.

Wenn diese Start-Szene spontan oder improvisiert wirkt, dann ist das eine optische Täuschung! Du kennst ja jetzt die ganze Wahrheit.

Als ich dann fertig war, fand ich, dass ich genug Musterunterbrechung im Kasten hatte: Ein wildfremder Typ, der mit geschlossenen Augen 20 cm von der Kamera entfernt ist, und dabei die Reizwörter „Amerika“ und „Hass“ benutzt.

Und der dann enthüllt, dass er gerade in Amerika ist.

Die normale Reaktion des Zuschauers würde sein:

„What the fuck?“

(Kürzel: wtf. Auf deutsch: „Hä?? Was zur Hölle…?!?!“)

Und genau diese Reaktion wollte ich. Nur diese, und keine andere Reaktion! Ich habe monatelang diesen einen ersten Satz mit mir herumgetragen und für gut befunden.

Diese erste Szene meiner Serie sollte nicht lustig sein, nicht traurig, nicht originell, nicht spannend, nur verstörend. Damit man sofort weitergucken will.

Diesen Effekt absichtlich zu erzeugen machte Arbeit.

Als die Aufnahme endlich im Kasten war, war meine Nase von der Sonne verbrannt, und mein Hemd verschwitzt…

Der Nebel indes war verzogen.

Also lief ich mit der Kamera zum Gliderport zurück und fing an, mit der Kamera zu reden. Die ersten Fallschirme blähten sich auf.

Und ich drehte einfach sofort spontan die nächste Szene… „Absprung“ genannt. Wie sich herausstellte, ist es ist die erste Episode der Serie geworden.

Eine Stunde später setzte ich ca. 200 Unterschriften auf einen Ausdruck, der meinen Fallschirm-Paragliding-Tandempartner und auch den Hersteller des Fallschirms von absolut jeder Verantwortung für meinen möglichen Tod oder lebenslangen Invalidenstatus freisprach.

Der Papierkram machte mir fast mehr Angst als der Sprung selber. Es ist wie bei einer Risikolebensversicherung… Plötzlich ist der Tod nur noch eine Euro-Zahl mit ein paar Nullen dran.

Und der Tod wartete da vorne, an der Klippe.

Auch ein Fotograf wartete dort. Er knipste alle Mutigen bei Ihrem Sprung ins Leere… Auf meinem Foto erkannte ich, dass mein Fallschirm GIN hieß. Sprich: DJINN. Aladins Geist  in der Flasche (der Djinn) lässt grüßen.

(Aladin übrigens hatte einen fliegenden Teppich. Ich sagte ja bereits, man kann sich leicht in Symboliken verlieren)

Man muss sich indessen nichts vormachen: Paragliding ist nicht wirklich gefährlich, wenn aber etwas passiert, dann ist es tödlich.

Ich weiß nicht, was mich geritten hat, ausgerechnet hier und heute, weitab der Heimat, in der Höhle des Löwen, einem Koreaner namens „Ki“ mein Leben anzuvertrauen.

Es war wohl Teil der (Selbst)-„Aufgabe“. Einfach mal loslassen. Vertrauen. Die eigene Verletzlichkeit zeigen. Alles aufs Spiel setzen…

Es ging um Leben und Tod, jawohl. Und jeder, der hier zu leichtfertig handelt, verdient den Tod.

Ki sah das genauso. Er instruierte mich mit Autorität, wie ich zu rennen und wann ich meine Beine zu heben hatte, und dann liefen wir schon los, mit dem großen Packen auf dem Rücken, und dann blähte sich der Schirm auf und ich lief einfach über die Klippe.

Und dann…  schwebten wir.

 

abheben

Die höchste Prüfung ist immer eine Prüfung auf Leben und Tod

 

Ki gewann Höhe, machte ein paar Loops (Kreise) bei denen ich mich fast übergab, und dann schwebten wir über dem offenen Pazifik.

 

fliegen

Doch doch, das bin wirklich ich! Blick nach Norden Richtung Los Angeles… Der Fotograf hat übrigens 20 Dollar für dieses Erinnerungsfoto genommen! Aber wer bitte hätte diese 20 Dollar nicht bezahlt?

 

Der Abgrund des Todes hatte sich als Eingang zum Paradies herausgestellt. Hier oben, das war überirdisch schön. Man hatte eine Sicht auf die Klippen, von Horizont zu Horizont, wie man sie nirgendwo sonst haben konnte.

Dann sagte Ki: „Look, there!“

50 Meter unter uns schwamm ein Schwarm Delphine.

 

Dolphins

Delphine in La Jolla. Live gesehen beim Pilot-Flug. Es waren vielleicht 20 Stück. Ein magischer Anblick.

 

Ki schrie mir ins Ohr, dass es noch nie so viele auf einmal waren…

Mir wurde schlagartig klar: Gott war wieder mein Freund.

Lange Zeit hatte er mich scheinbar verlassen, jetzt war er wieder da.

Es kam noch besser: Gott war in Wahrheit eine Göttin.

Tim

 

PS: Rekapitulieren wir kurz meine „Höchste Prüfung“ mit den Augen Campbells:

Innerhalb von nur 24 Stunden passierte all dies:

a) Weggelockt werden vom Pfad: Treffer, denn ich entschied mich an diesem Punkt plötzlich, lieber Urlaub zu machen, anstatt den Goldrausch zu produzieren.

b) Versöhnung mit dem Vater: Treffer, denn ich lobe ihn in meinem Apple-Video, und erzähle eine Geschichte über ihn, in der ich mich von ihm „abnabele“

c) Zusammentreffen mit der Göttin: Treffer, denn für mich ist der Schlangenbiss genau das (mehr dazu folgt gleich!!)

d) Gottwerdung des Helden: Treffer, denn wer sonst als ein Gott kann durch die Lüfte fliegen, der Schwerkraft strotzen und die Welt in aller ihrer Pracht von oben sehen?

Ergebnis: 4 von 4 Treffern.

 

Fehlt nur noch das mit dem Schlangenbiss und der Göttin…

Damit ist es jetzt Zeit für einen interessanten, okkulten Zusammenhang. Warnung:

(Dieser kleine Ausflug ist freiwillig und kann übersprungen werden.)

Fangen wir an im Garten Eden. Dort gab es eine Situation, in der die Schlange der guten alten Eva aufschwatzte, vom Baum der Erkenntnis zu kosten. Jeder weiß, dass es sich bei der Schlange um einen Abgesandten des Bösen oder sogar um den Teufel persönlich handelte, richtig?

eden

Gemeinhin wird diese verbotene Frucht als Apfel dargestellt. 

Wenn wir uns den Apfel genauer anschauen, dann können wir 3 Dinge feststellen.

Erstens: Die Firma Apple.

apple

 

Diese Firma, die zurzeit die wertvollste der Welt ist, benutzt als Logo den angebissenen Apfel. Vielleicht ist sogar der Apfel aus dem Garten Eden gemeint. Es ist kein Zufall, dass der Apfel angebissen ist, oder?

Zweitens: Der Zankapfel.

Der Trojanische Krieg brach aus, weil ein gewisser Herr namens Paris die schönste Frau des Altertums (Helena) versprochen bekam, und zwar dafür weil er in einem Streit den Richter spielte, und das Urteil zugunsten der Aphrodite aussprach.

Es ging nämlich dort bei diesem Streit zwischen 3 griechischen Göttinnen (Hera, Athene und Aphrodite) um die wichtige Frage, wer die schönste Göttin sei.

Alles was Paris tun musste, war einen goldenen Apfel, auf dem geschrieben stand, dass er „der Schönsten“ gehöre, einer der 3 Göttinnen zuzusprechen.

 

paris

 

Natürlich gab es Streit. Daher auch der Begriff „Zankapfel“.

Der arme Paris fand sie alle drei super und wusste gar nicht was er tun sollte. Aphrodite (die bei den Römern dann Venus genannt wurde) betörte ihn am meisten… und somit gab er den Apfel ihr.

Drittens: Das Apfel-Pentagramm.

Wahrscheinlich weißt du es nicht: Wenn man einen Apfel von links nach rechts in der Mitte durchschneidet (anstatt wie normalerweise von oben nach unten) dann erhält man das folgende Muster in seinem Kern: Es ist ein Pentagramm, also ein Fünfeck.

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Woher kennt man nun das Pentagramm?

Antwort: Aus der Astronomie. Und auch ein bisschen aus der Welt der Astrologie bzw. Magie.

Fangen wir an mit der Astronomie. Das Pentagramm bezeichnet den Planeten Venus.

Warum? Schauen wir uns dieses Video an!

Immer wenn Venus und Erde auf einer bestimmten Linie zueinander liegen, spricht man astronomisch von „Konjunktion.“ Diese Konjunktion passiert in genau 6 Jahren exakt 5 mal.

Wenn man die Schnittpunkte dieser Linien verbindet, dann kommt ein Pentagramm heraus. So einfach ist das!

 

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 Was wissen wir noch vom Planeten Venus?

Dass er ein höllisch heißer Planet ist zum Beispiel, voller Schwefel! Und was wissen wir außerdem vom Pentagramm? Na klar: dass es irgendwie ein okkultes Zeichen des Teufels ist…

Venus ist also ein bisschen der Teufelsplanet – wobei dieser Planet bei den Römern ausgerechnet Lucifer hieß, der „Morgenstern“. Venus ist also nicht nur die Liebesgöttin, sondern gleichzeitig die böse Schlange

 

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Venus.

 

Aphrodite übrigens (wie Venus bei den Griechen hieß) ließ sich von Delphinen übers Meer ziehen. Delphine sind ihre Symboltiere.

Nun ist der Kreis geschlossen. Es war ein langer Weg von der Schlange bis zu den Delphinen, oder?

Aber sie gehören zusammen. Genauso wie diese beiden Tierarten symbolisch als „Tiere der Weisheit“ angesehen werden.

 

Ach, was ist das für eine tolle Welt!

Innerhalb von 12 Stunden damals in La Jolla/San Diego…

  • … wurde ich von der Schlange „gebissen“ (wurde ich nicht, aber ich glaubte es! und hatte ein bisschen Panik)
  • … erzählte ich die Episode „Apple“ (als ich meine Riester-Rente für meinen ersten Apple verkauft hatte)
  • … erblickte ich echte Delphine.

Auch diese Dinge hängen zusammen.

 

Weiter zu — SCHRITT 9: Zeit für etwas Belohnung